Im Nachhinein betrachtet war es wohl die interessanteste Turniererfahrung, die ich bisher gemacht habe! Da es meine Sporttasche nicht über den großen Teich geschafft hat, musste mein Laptop-Rucksack als Behältnis für meine wenigen Badminton-Habseligkeiten herhalten. So betrat ich also in hochprofessioneller Aufmachung, untrainiert bis in die Haarspitzen, die Halle, und wiederum war schnell klar, dass ich wohl alleine die europäischen Fahnen hochzuhalten hatte.

Freitagabend waren die Einzelbewerbe angesetzt, das verwendete Rastersystem ließ eine lange Nacht erahnen. Ich hatte als natürlich ungesetzter offensichtlich eine gute Auslosung erwischt, da mein erster Gegner und Clubkollege meinte, er wolle gar nicht oben mitspielen… Im zweiten Spiel war ich dann schon mehr gefordert, als ich gegen unseren Clubpräsidenten antreten durfte. Überraschenderweise spielte ich wirklich kein schlechtes Einzel und gewann auch recht klar, somit war ich bereits im Viertelfinale. Da der Raster überdimensional groß per Beamer an die Wand projiziert wurde, fingen sich die ersten an zu wundern, was mein komischer Name zwischen all den bekannten Turnierspielern der Region zu suchen hatte.

Als mein Viertelfinale dann lief, bemerkte ich irgendwann, wie langsam immer mehr asiatische Köpfe vorsichtig hinter dem Vorhang bei meinem  Spielfeld hervorschauten. Und irgendwann ging dann auch das große Flüstern los: „Yes, yes… from Austria! …exchange student…“ War mal ein ganz anderes Erlebnis auf dem Spielfeld. Aber auch eine gute Ausrede: Durch diese ständige Ablenkung (und ausschließlich darum!) musste ich nach gewonnenem ersten Satz  und Matchball doch noch in einem dritten Satz quälen. Was in dieser Situation besonders bitter war, da sich meine nicht vorhandene Kondition nach zweieinhalb Einzeln bereits dem Ende zuneigte. Glücklicherweise erging es meinem Gegenüber auch nicht viel anders, sodass ich nach einem wahren Trinkpausen-Marathon, unterbrochen von ein paar Ballwechseln, dann doch noch das bessere Ende für mich hatte.

Das war der Zeitpunkt, an dem ich meine Entscheidung, Einzel zu spielen, das erste Mal verfluchte…

Vom anschließenden Halbfinale kann ich eigentlich nicht sehr viel berichten. Ich weiß, dass ich gewonnen habe. Ich habe keine Ahnung wie und warum. Ich weiß nur, dass ich zum Schluss irgendwie übers Feld gekrabbelt bin, völlig am Ende. Krämpfe waren auch irgendwie dabei… Einzel-Verfluch-Moment Nummer 2…

Dafür hatte sich mit einem Mal das Auftreten der anderen Spieler mir gegenüber gewandelt. Plötzlich wollte mich jeder kennen lernen, alles über mich wissen. Von einem Moment auf den anderen wusste plötzlich jeder in der Halle über mich Bescheid.

Als ich nach einer 15-minütigen Pause schon wieder fürs Finale aufgerufen wurde, blickte ich ungläubig auf die Uhr: 23:45 Uhr. Von dort wanderte der Blick weiter zur Turnierleitung, die auf meinen Blick nur mit einem fetten Grinsen und der Durchsage antwortete, ich solle nicht meinen Kopf schütteln, es helfe eh nichts. Nur noch von ekelhaft süßem Gatorade und Müsli-Riegeln am Leben erhalten (okay, vielleicht etwas übertrieben, aus meiner Sicht war es so), entschied ich mich für die altbewährte Öko-Taktik für das Finale:

5 Ballwechsel nur Clears zur Erholung, anschließend 3 Ballwechsel Vollgas. Damit hatte mein Gegner, auch von meiner Uni, wohl nicht gerechnet. Das er aus für mich nicht erfindlichen Gründen immer nur drauflos schmetterte und ich mich nicht wirklich bewegen musste, mag auch seinen Teil beigetragen haben. Jedenfalls konnte ich das Finale klar in zwei Sätzen für mich entscheiden, sogar ohne Krämpfe. So stand ich dann um 00:30 Uhr etwas ungläubig da, ich hatte wirklich den EINZEL Bewerb gewonnen! Am folgenden Siegerfoto kann man vielleicht ablesen, wie fit ich zu dem Zeitpunkt noch war…

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Dass der nächste Morgen eher unangenehm werden würde, war mir schon im Voraus klar. Man konnte es nicht wirklich laufen nennen, wie ich mich fortbewegte.

Im Doppelbewerb wurden mir und meinem Partner sehr gute Chancen eingeräumt, und tatsächlich lief es erstaunlich gut. Bis ins Semifinale ging es noch recht locker, obwohl ich eher als stehendes Hindernis im Feld herumstand. Das Halbfinale war dann eine knappere Angelegenheit, aber vor allem die sensationellen Doppel-Qualitäten meines Partners retteten uns den Einzug ins Endspiel. Dort mussten wir uns dann leider einem hyperaktiven indischen Schmettermonster geschlagen geben. Ich habe ehrlich noch nie einen Spieler gesehen, der aus wirklich jeder nur erdenklichen Lage geschmettert hat, und das noch erfolgreich. Mit dem 2. Platz konnte ich aber mehr als zufrieden sein, mehr war nach dem Einzel nicht drin.

Schließlich fiel mir dann ein, dass ich mich ja in einem Anfall von Übermotivation auch noch fürs Mixed angemeldet hatte… Nun ja, über die einzelnen Spiele berichte ich lieber nicht zu detailliert. Zusammenfassend kann einfach gesagt werden: Meine junge Partnerin hatte ihren Spaß, meine Beine eher weniger. Immerhin haben wir das Viertelfinale erreicht, in dem wir dann gegen die späteren Sieger ausgeschieden sind.

Alles in allem war es ein sehr lustiges und interessantes Wochenende, mit vielen neuen Erfahrungen. Zumindest im Uni-Club halten mich jetzt alle für den ultimativen Badminton-Gott, meinem Selbstbewusstsein geht’s also gerade recht gut :-). Das nächste Turnier werde ich wohl am 13./14. November in Chicago spielen, mal sehen inwieweit ich da die neuen Erwartungen erfüllen kann.

Dann gibts wohl auch den nächsten Bericht von mir.

Schöne Grüße bis dahin an alle!

Daniel

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 Siegerehrung Herrendoppel: Doppelpartner ganz links, Schmettermonster ganz rechts.