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- Veröffentlicht: 15. März 2005
Hallo miteinander,
Fuer
diejenigen, die mir immer eifrig mit dem Finger auf der Landkarte nachreisen, versuche ich diesmal
informativer zu
sein als
das letzte Mal. Dafuer muesst ihr wieder ein paar Berggeschichten und
Landschaftsbeschreibungen ueber euch
ergehen
lassen.
Von Boliviens Altiplano geht es langsam aber stetig bergab, ueber ausgedehnte trockene Ebenen, vorbei an ausgewaschen, farbigen Bergruecken. Dabei machte ich in einigen kleinen, aber touristischen Orten mit traditionellem, noch indigenem Einfluss Halt, darunter Humahuaca, Purmamarca, Cachi und Cafayate, natuerlich durfte auch die Stadt Salta dazwischen nicht fehlen. Schlussendlich erreichte ich in Tucuman die Hitze und die Tiefebene, die sich mit Ausnahme von einigen, wenigen Erhebungen ueber ganz Ostargentinien zieht und erst zur
Grenze zu Chile hin wieder abrupt durch die Anden begrenzt ist. Abgesehen von der fruchtbaren Pampa, Argentiniens agrikulturelle Schatzkammer und Weideflaeche der zukuenftigen, saftigen Steaks, sieht der Rest schon ziemlich trocken und karg aus. Daher konnte ich auf meinem Weg nach Sueden beruhigt auch Nachtbusse benutzen, denn auf den schnurgeraden Strassen uebers Flachland vermisste ich nicht viel.
Waehrend um Santiago de Chile Richtung Sueden die chilenische Seite gruene Landschaften hervorbringt, benoetigt Mendoza das Gletscherwasser der Anden um ihren weltbekannten Wein zu fabrizieren und die Stadt selbst mit Parkanlagen und Strassenalleen zu einer gruenen Oase zu machen. So nahe an den hoechsten Andenerhebungen - darunter der fast 7000m hohe Aconcagua - rief mich der Cerro del Plata zu sich und sorgte nebenbei fuer hervorragende Wetterbedingungen und ein Zelt, das ich aus heiterem Himmel geliehen bekam. Somit eilte ich, wieder einmal uebermuedet von einer langen Nacht, hoch zum Basecamp auf 4200m. Dort befanden sich bereits jede Menge Zelte von top ausgeruesteten Bergsteigern, die sich fuer die Aconcagua Besteigung aklimatisierten. Von Plastikschuhen und Steigeisen angefangen ueber das uebeliche Goretex und Winddichtmaterial bis hin zur Daunenjacke fuer die kalten Abende hatten sie alles dabei. Nur ein Oesterreicher gesellte sich unter sie mit seinen ausgelatschen Trekkingschuhen, einer Billigsthose aus Thailand, die Dank wiederholter Eingriffe duzender, verschiedener Naehmaschinen noch zusammenhaelt, einer
Fleecejacke aus Nepal, durch die der Wind nur so durchblaest und Handschuhen, die der Kaelte nicht standhalten - nicht einmal Kochzeug hatte er dabei. Zudem hatte die 2-Dollar-Sonnenbrille aus Bolivien am Tag zuvor ihre Lebensdauer ueberschritten. Und ausgerechnte dieser flitzte, noch top aklimatisiert und fit vom Altiplanoaufenthalt, allen um die Ohren. Da ich keine Karte hatte, der Berg selbst nicht sichtbar und im Camp immer von einem falschen Gipfel und ca. 8h fuer den 1800m Aufstieg die Rede war, zweifelte ich beim Anstieg ob ich denn auch auf dem richtigen Weg bin - vor allem da von meinen Verfolgern als die Sonne aufging weit und breit keiner mehr zu sehen war. Zugegeben aus dem letzten Loch pfeifend und nach oben einen Gipfel erblickend war mir schlussendlich egal auf welchem Berg ich lande und als ich nach 5,5h oben stand und sich nichts mehr hoeheres um mich herum befand, konnte ich mir die Freudesschreie nicht verkneifen. Alleine auf 6000m , ein enormes Panorama ueber die anderen schneebedeckten Gipfel rund um mich herum hin zum Aconcagua, dem hoechsten Berg Suedamerikas. Als ich kurz nach Mittag bereits wieder zurueck im Versorgungszelt den Rest ueberraschte und mir das verdiente Bier hinunterstuelpte ( das Wasser in den mitgetragenen Plastikflaschen war mir eingefrohren ), verschlechtete sich das Wetter, ein Schneesturm setzte ein und ich machte mir Sorgen um die anderen da oben, die ich mit 2-3h Rueckstand beim Abstieg passierte. Ich wunderte mich was die alle am Aconcagua wollen und wagte gar nicht daran zu denken, wie ich das mit meiner Ausruestung dort oben ueberstanden haette!
Von Mendoza reiste ich weiter in die Seenregion nach San Martin und Bariloche mit einem Abstecher nach Pucon, Osorno und dem Puyehue Nationalpark in Chile. Sowohl landschaftlich als auch von den Haeusern und Doerfern fuehlte ich mich stark an unsere Heimat erinnert und vieles glich Touristenorten in Oesterreich und der Schweiz - abgesehen davon dass schneebedeckte Vulkane den Horizont schmueckten. Neben einigen Wanderungen und Gipfeln stieg ich auch zum aktiven Vulkan Villarica auf, nachdem ich die Parkverwaltung ueberzeugt hatte, dass ich ein erfahrener Bergsteiger bin und alleine ohne Tour aufsteigen will. Ich lieh mir Steigeisen und einen Pickel aus und als erster alleine auf dem Gipfel zu stehen und neben dem Rundumblick ueber die Seen die speihende Lava zu sehen war somit keine Kunst mehr, da alle Tourgruppen im Gaensemarsch und Schneckentempo hinaufkrochen. Da waere ich durchgedreht.
In den Sueden Patagoniens reiste ich mit einem Freund zusammen, den ich schon von Equador her kannte. Er hatte Zelt und Kochzeug dabei, somit brauchten wir uns jeweils nur noch den Proviant zu besorgen um wieder losstechen zu koennen.Nach 27h und 6h im Bus erreichten wir ueber Puerto Gallegos durch endloses, trockenes, unbewohntes Huegel- und Flachland Puerto Natales in Chile um im beruehmten Nationalpark Torres del Paine wandern zu gehen. Beeindruckender als die Felstuerme war der riesige Grey Gletscher von Ausmassen, wie ich sie noch nie zuvor gesehen hatte. Auch hier kam das Abenteuer letztlich nicht zu kurz. Statt der eisigen Winde und den fuer Patagonien ueblichen Wetterkapriolen hatten wir auch hier Traumwetter, das jedoch aufgrund der Trockenheit in einen Flaechenbrand ausartete und wir bis zum Schluss im Unklaren waren, wann und wie wir wieder aus dem Park hinauskommen. Letztendlich mussten wir mit einer suendteuren Faehre auf die andere Seite eines Sees, von wo aus man Busse organisierte die uns vorbei an den lodernden Flammen und riesiger,verkohlter Flaechen evakuierten. Nach letztem Stand fielen gut 11.000 Hektar den Flammen zum Opfer.
Zurueck in Argentinien besichtigte ich natuerlich auch den massiven Perito Moreno Gletscher bei El Calafate und den Granitturm Fitz Roy in El Chalten. Nach zusammengezaehlt 14 Naechten zusammen im engen 2-Mann Zelt und tagelanger gemeinsamer Wanderungen verabschiedete ich mich endgueltig von meinem Freund Uzi und flog ueber Ushuaia nach Buenos Aires, einer Stadt die mit ihren Gebaeuden von verschiedensten europaeischen Architekten und Stilen, Opern- und Theaterhaeusern, unzaehligen Kunstausstellungen und Prunkeinkaufsstrassen mehr nach Europa als nach Suedamerika passt. An fast jeder Ecke befindet sich ein Cafehaus, Tangobars und die Tango-tanzenden Paare auf der Strasse verleihen dieser Stadt einen speziellen Flair. Das Nightlife muss ich wohl nicht extra erwaehnen, ich war froh als es endlich Montag wurde und zur Abwechslung mal alle angeschlagen zeitig ins Bett fielen. Die Kuriositaet war allerdings, dass aus Reaktion auf das Discounglueck Ende Dezember, bei dem rund 180 Jungendliche starben, Tanzen derzeit verboten ist und daher fast alle Discos zur Sicherheitsueberpruefung geschlossen sind.
Nach einem letzten saftigen Steak und tollen Erinnerungen liess ich voruebergehend Argentinien hinter mir um in ein Land zu reisen, das mich schon lange reizte und von dem jeder, den ich bisher traf, schwaermte. Mal sehen wie´s wird.
Liebe Gruesse an
alle aus
Bogota, Kolumbien
Guggi
