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Veröffentlicht: 06. März 2005
Hallo miteinander,
Exakt 730 Tage
spaeter, das entspricht 2 Jahren, habe ich wieder die Grenze in Copacabana am tiefblauen Titikakasee nach
Bolivien
ueberschritten, das Land, das mich schlussendlich fuer die jetzige Reise inspirierte, mit seinen
ewigen Weiten des
kargen,
flachen Altiplanos - im Westen begrenzt durch zahllose Vulkane, im Osten durch die
schneebedeckten Gipfel der
Cordillera Real
, die steil in die heissen Dschungelgebiete einiger
Amazonaszufluesse abfallen.
Da
ich meine gute
Aklimatisierung und Wanderkondition nicht
versauen wollte und mir schon bei der Vorstellung von ewig
schweissiger Haut ,
Hitze und surrenden Muecken
heiss wurde, entschloss ich mich auch in Bolivien in den Bergen zu
bleiben. Somit gings ab mitten
in die
Cordillera Real in das idyllische Dorf Sorata, wo ich neben einigen Tagen mit
dem Zelt in den Bergen auch ein wenig
Entspannung fand. Nach sovielen Wanderungen vorbei an eisigen Gipfeln, die mir
staendig zuriefen, wurde es
Zeit dem inneren
Drang nachzugeben. Kurz vor Weihnachten schloss ich mich einer
"Expedition" an um
mit Steigeisen und Pickel
bewaffnet den 6088m hohen Huayna Potosi zu erklimmen. Wir
starteten gegen 1:00 in
der Nacht unseren Gipfelsturm begleitet von
Mondschein und Sternenhimmel und erst als wir in
der letzten
steilen Wand hingen - natuerlich durch Seil gesichert - und es
langsam zu daemmern begann, fragte ich
mich
ploetzlich nach einem Blick hinunter, ob ich denn da auch heil wieder
runterkommen werde. Wir kaempften uns die
letzten 100m Schritt fuer Schritt an die Spitze und wurden mit dem Sonnenaufgang
und atemberaubenden Blicken
ueber
die Cordillera, Altiplano, Titikakasee, La Paz und die unter uns liegenden Wolken belohnt.
Beim
Abstieg stellte ich dann erst fest, wo wir da in der Nacht hochgelaufen waren. Die Eiswaende erschienen
noch steiler,
die Gletscherspalten waren auf einmal sichtbar und der leuchtendweisse Gletscher schien nahtlos
in die weissen
Wolken
ueberzugehen. Ein schoeneres Geburtstagsgeschenk haette ich heuer wohl nicht bekommen
koennen.
Weihnachten in La Paz war nicht nur feines Essen in lustigen Runden in gemuetlichen
Restaurants bei
Kerzenschimmer und
Weihnachtsflair sondern widerspiegelte auch die krassen
Klassenunterschiede in Bolivien. Ueber die
Weihnachtszeit ziehen die
aermlichen Frauen mit allen ihren
Kindern vom Land in die Staedte um am Heiligen Abend in
einer langen Schlange wartend
Geschenke,
normalerweise diverse Kleidungsstuecke von Sammlungen der
Hilfsorganisationen, zu bekommen. Die restlichen Tage
davor und danach sitzen sie zu Massen bettelnd auf der Strasse
herum mit ihren Filzhueten, verstaubten
Kleidungen und
Sandalen gemacht aus alten Autoreifen, die trockenen,
runzligen Haende ausstreckend waehrend
sich der Rest mit den besten
Gewaendern herausgeputzt zur Geschenksuche durch
die vollgestopften
Weihnachtsmarktstrassen zwaengt oder sich mit Krippe und
Jesukind in den Haenden in die
Weihnachtsmetten
begibt. Ein Bild das weh tut.
Nach all dem Trubel wurde es
wieder Zeit ein wenig
Ruhe zu
bekommen und den zeitlich fuer mich unguenstigen Silvester in meinen Plaenen zu ignorieren.
Somit liess ich
mich in den Doerfchen Sajama und Parinacota nieder, im Altlas werdet ihr eher die gleichnamigen Vulkane an
der
chilenisch-bolivianischen Grenze finden. Ich begnuegte mich diesmal mit einigen kleinen Gipfeln zwischen
5000 und 5200m
und Entspannen in heissen Quellen. Landschaftlich wieder ein Traum, mit Vulkanen und Seen und
den ueblichen Llama-
und
Alpacaherden, ich war in einfachen Unterkuenften bei Familien untergebracht, bei
denen ich mitessen konnte was so
auf den
Tisch kam: Alle erdenklichen Alpacateile mit den ueblichen,
trockenen Beilagen Reis und Kartoffeln. Dass
Silvester somit eher
gemuetlich ausfallen wuerde war anzunehmen,
dass jedoch in Parinacota gerade mal 3 betagte
Frauen anwesend waren, kein
Gasthaus geschweige von Bier zu
finden war und das letzte Stueck Stimmung aus dem Radio
durch den Stromausfall getoetet
wurde, haette ich
nicht erwartet. Was blieb mir da anderes uebrig als den
Jahresbeginn ganz einfach zu verschlafen!
Zurueck ueber die Grenze nach Bolivien musste ich per
Anhalter und die Fahrt wurde abenteuerlicher als
gedacht. Zuerst
hatten wir Glueck, dass wir nicht ein Llama auf die
Motorhaube gabelten, spaeter mussten wir
einem Jeep helfen, der durch
einen Hagelsturm in den Strassengraben
schlitterte und Glueck hatte nicht im
Fluss daneben zu versinken, und am Ende ging uns
fast noch der Sprit aus, weil
bei der Hilfe durch die
Benutzung des Vierradgetriebe, das wir nicht mehr rausbrachten, unser
Gefaehrt sehr durstig
wurde.
Schlussendlich machte ich mich mit einem Halt in der ehemaligen Minenstadt
Oruro, besser
bekannt durch
seinen traditionellen Karneval, fuer den ich jedoch einen Monat zu frueh war, auf zum Kernstueck
jeder
Bolivienreise - die weisse, flache Salzwueste bei Uyuni, die teils mit Wasser bedeckt war und somit einen
hervorragenden Spiegeleffekt ergab, spaeter hoch durch die Wuestenlandschaften Suedboliviens zu den in allen
Farben
schimmernden Lagunen mit tausenden Flamingos und imposanten Vulkanen. Licancabur, ein nahezu perfekter
Konus von fast
6000m,
musste diesmal herhalten, am Fusse die tuerkisgruene Laguna Verde, die mit den weissen
Sulfatablagerungen am
Ufer
Karibikstimmung aufkommen laesst. Daneben befindet sich die Laguna Blanca, an der
ich 3 Tage verweilte und auch
genuegend
Zeit fand um deren Farbenspiele aus metallhaltigen Wasserfarben,
Bergreflexionen, Sonne, Wind und Schatten
aufzusaugen.
Die "Zivilisation"
erreichte ich nach einigen Tagen wieder in Tupiza, das
wiederum eine
landschaftliche Abwechslung in Form von
Canyons und ausgewaschenen Felsformationen bot.
Mit der Ausreise
nach Nordargentinien ging
nun definitiv mein 4. Reiseabschnitt zu Ende - die
Zentralandenlaender Equador, Peru und Bolivien
boten ein
Feuerwerk aus Berglandschaften und Menschen, die
Traditionen, Sprachen und ihre bunte Trachtenpracht erhalten
konnten und mir ein komplett anderes Reiseambiente
bescherten als es mich in meinem vorlaeufig letzten
Reiseabschitt durch
Argeninien und Chile erwartet laesst. Aber
mehr dazu im naechsten Bericht.
Liebe Gruesse an alle aus Cachi,
Argentinien
Guggi