Hallo miteinander,

Ueber Puerto Barrios und der Enklave Livingston, die nur per Boot erreichbar ist, sind wir wieder in Guatemala eingereist. Auch in Livingston, wie in vielen anderen Gegenden entlang der Karibik, findet sich ein interessanter Menschenmix aus Schwarzen, sogenannten Gerifunas, Mestizen und einigen reinrassigen Indios. Entlang des Rio Dulce verlassen wir landeinwaerts den Karibikflair zum gleichnamigen Strassendorf am Lago Izabal von wo aus wir ueber Copan zu den Suesswasserpools von Semuc Champey bei Lanquin weiterreisen. Mit Kerzen bewaffnet erkundigen wir watend, schwimmend, kletternd und kriechend eine Hoehle, baden, schwimmen den Fluss hinunter oder springen von einer 8m hohen Bruecke in den Fluss. Nach ein paar Tagen Relax gehts nun endlich ins Herz Guatemalas, wie man es aus Bildern und Berichten kennt.

Doerfer und schoene Kolonialstaedte mit lebhaften Maerkten voll mit diversen indigenen Volksgruppen in ihren jeweiligen, prachtvollen, farbigen Trachten, man hoert verschiedene Maya Sprachen, die auch noch in den Schulen unterrichtet werden und man sieht urspruengliche, religioese Rituale und Opferungen, die sich mit dem christlichen Glauben vermischt haben, Prozessionen von "rivalisierenden" Glaubensgemeinschaften mit ihren teils eigenartig wirkenden Messen, und die ganzen kolonialen Kirchen, Kloester und schoenen, farbigen Haeusern mit ihren meist prunkvoll gestalteten Innenhoefen. Das Landschaftsbild hier oben ist eine ausgedehnte Berg- und Huegellandschaft, meistens komplett mit Mais kultiviert mit unzaehligen kleinen Doerfern. Im Hintergrund thronen mit Baeumen ueberwucherte Vulkane, dessen Gipfel nachmittags in eine Wolkenkrone gehuellt ist. Einige Besteigungen durften natuerlich nicht fehlen mit hervorragender Aussicht auf die anderen umliegenden Vulkane, einige davon aktiv und Rauchwolken ausstossend, Vukan Pacaya sogar Lava speiend, Blicke hinunter in die Taeler bis hin zum Pazifik und auf die Wolken, die niedriger hereinziehen , waren die Anstrengungen mehr als wert. Besonders gefallen haben mir wieder einmal die urigen Busfahrten ueber teils abenteuerliche Bergstrecken. Die lokalen Busse sind meistens ausgemusterte, amerikanische Schulbusse - jeder kennt sicherlich die langen, gelben aus diversen Filmen mit der "Schoolbus" Aufschrift - oder aehnlichen in buntem Gewand. Wie schon in Asien werden diese auch dementsprechend effektiv verwendet. Auf den 2er Sitzbaenken wird zusammengerueckt damit auf beiden Seiten nochmals jemand mit einer halben Arschbacke Platz findet, zwischendrin findet der eine oder andere noch im schmalen , bereits ja schon von den ueberhaengenden Arschhaelften belegten Gangbereich einen Stehplatz. Wie sich die ganzen, normalerweise nicht unbedingt schlanken, Strassenverkaeuferinnen trotzdem ihren Weg bis ans Ende durchbahnen konnten, um den ganzen Bus mit Getraenken, Essen und sonstigem Zeug zu versorgen, glich schon fast an ein Wunder. Und dann gings wieder mit Vollgas dahin, die Musik tudelte laut aus uebersteuerten Boxen und nachdem sich alle sattgegessen hatten, schlief man ineinanderverkeilt eine Weile bis man wieder kurz aus dem Schlaf gerissen wurde, weil sich neue, zugeladene Passagiere sich noch irgendeine freie Stelle suchten. Das war einfach Leben pur und nichts haette mich in die um einiges teureren Touristendirektbusse bringen koennen.

So klapperten wir ueber Coban, Uspatan, Sacapulas, Nebaj, Chichicastenango, Quetzaltentango, Salcaja, San Pedro de Atitlan am Lago de Atitlan und Antigua ab, Guatemala Stadt sah ich nur beim Durchfahren. In Chichicastenango war der groesste Markt Guatemalas, was wir uns 2 Tage vor dem Markt, als wir die einzigen Touristen dort waren und absolut tote Hose war, gar nicht vorstellen konnten. Am Markttag selber war die kleine Stadt kaum wiederzuerkennen und wir traten die Flucht an. In Salcaja besuchten wir einen Jahrmarkt mit einem Stierkampf, die Stiere taten mir schon leid, aber hier ueberleben sie immerhin und werden nicht, wie in Spanien ueblich, getoetet. In San Pedro machte ich auch noch einen 1-woechigen "Spanisch-Praktizierkurs", der mir echt gut getan hat. In einem Garten mit tollem Blick ueber den See zu den Vulkanen gabs Einzelunterricht, wo ich von meinem Lehrer auch viel ueber Guatemala erfahren konnte. Am Ende der Woche fand eine Fullmoon-Party am See statt, bei der bis ueber den Sonnenaufgang hinaus zu Techno Musik getanzt wurde. Davon hatte ich die letzte Zeit nicht allzuviel.

Nach gut einem Monat Guatemala mit einem Zwischenstopp in Belize liess ich den Schwerpunkt meines Mittelamerikatrips doch etwas schwermuetig hinter mir und reiste weiter nach Sueden nach Honduras um mich wieder mit meinem Bruder zu treffen, von dem ich mich 1 Woche zuvor aufgrund meines laengeren Aufenthalts in San Pedro getrennt hatte, wiederzutreffen.


Liebe Gruesse aus Leon, Nicaragua

Guggi