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- Veröffentlicht: 06. März 2005
Hallo miteinander,
Von Kathmandu aus
startend ging es wieder einmal durch gewohntes, Terrassenfelder ueberzogenes , nepalesisches Bergland entlang
der
ueblichen
kurvigen Strassen, die aufgrund zahlreicher Erdrutsche oftmals mehr einer Baustelle gleichen ,
hinauf zur
tibetischen Grenze.
Wie ich es inzwischen auf meiner Reise gewohnt bin , war auf der anderen Seite
wieder mal alles
komplett anders und neu.
Kommunistische, protzige Bauten, strammstehende
Grenzbeamten in fein
herausgeputzten Uniformen, 3 Stunden
endloser Buerokratismus und als wir dann endlich
weiterfahren koennen, lauter
chinesische Fliessenbauten anstatt der schoenen
tibetischen Steinbauten - bin
ich in dem Tibet von dem ich gelesen
habe?
Je weiter man sich von der Grenze
weg in die
Hoehe schraubt, desto mehr veraendert sich das
Landschaftsbild. Das enge V-Tal mit seiner schwindelerregenden
Strasse oeffnet sich mehr und mehr und wird zu einer
atemberaubenden, wuestigen, sanfteren Berg und
Huegellandschaft
durchzogen mit riesigen Ebenen, die entweder gruene
Anbaufelder und Graslandschaften oder
karge, trockene Flusstaeler sind.
Landschaften wie ich sie zuvor nur von
Suedamerikas Altiplano kannte, im
Hintergrund weiss leuchtend die bekannten 8000er und
darueber ein klares,
kraeftiges Himmelblau, das alle
Farben viel kraeftiger erscheinen liess. Malerische tibetische Doerfer,
Bauern die
mit geschmueckten
Yakgespannen die Aecker bewirtschaften, winkende Menschen bei der
Feldarbeit -
Kulissen wie
aus dem Bilderbuch. Tibet ist wahrhaftig das Dach der Welt!
So gehts ueber endlose
Schotterpisten mit einigen Paessueberquerungen um die 5000m Richtung Lhasa und waehrend die meisten im Bus
aufgrund
der
duennen Hoehenluft in den Schlafmodus wechseln, knipse ich enthusiastisch laufend meine Akkus
leer. Nach fuenf
Tagen
erreichen wir Lhasa, das wie die anderen Staedte Tibets, seine urspruengliche Idylle
verloren hat. Die schoenen
tibetischen
Altstaedte muessen teilweise regelrecht gesucht werden, sie wurden von
chinesischen Fliesenbauten,
kollosalen Glasbauten,
modernen Geschaeftsvierteln und Prunkstrassen in den
Hinterhof betoniert. Entlang des Lhasa
Flusses erstreckt sich eine
Baustelle so weit das Auge reicht - ein
riesiges Apartmentviertel pflastert eine ganze
Insel zu. Das ist nur eine von vielen
Grossbaustellen, die Tibets Bild veraendern und mir wie eine
Dampfwalze vorkommt, die dieses Land ueberrollt
und mit chinesischen Immegranten ueberflutet. Meine ohnehin kleine,
naive "Freies Tibet"
Hoffnungsblase wurde
regelrecht zerfetzt.
Aber zu was positiven - man
sieht wieder Massen
von Pilgern durch die Strassen und in
die Tempeln ziehen, mit Rosenkranz und Gebetstrommeln
drehend, laufend
irgendwelche Mantras murmelnd, sich auf den Boden
werfend, mit Butter und Loeffel in der Hand die
Butterkerzen damit zu fuellend. So grotesk so manche Eindruecke waren, so
beeindruckt war ich vom tiefen
Glauben der
Tibeter, der der chinesischen Unterdrueckung standgehalten hat. Trotzdem sind die
Spuren der
Verwuestung
unuebersehbar, zahlreiche Ruinen, die grossen Kloester wie Sera oder Ganden haben ihren Glanz verloren
und gleichen
vielfach eher Baustellen mit nur wenigen Moenchen , die horrende Eintrittspreise kassieren, die
dann wohl nach
Peking
wandern. Wenn sich kein "illegaler Weg" hinter die Mauern finden liess, habe
ich den Besuch schlichtweg
boykottiert.
Nach ein paar Tagen in Lhasa hab ich mich wieder mal
auf Schusters Sohle begeben und
bin mit
einem Kumpanen fuer 4 Tage mit Zelt und Campingequipment in die
tibetische Weite gezogen - "back to the
roots" ,
weidende Yak-, Ziegen- und Schafherden,
gastfreundliche Nomaden, die uns in ihren Zelten zu Buttertee
einluden, den wir
laechelnbewahrend
hintunterschlungen. Da unser Gaskocher sich alles andere als effektiv
herausstellte, durften wir auch ihre
Kochstellen benutzen und als wir am letzten Tag von 2 Moenchen begleitet wurden,
sorgten diese immer fuer ein
brauchbares
Lagerfeuer. Auf dem Weg zurueck nach Lhasa wurden wir von einem Pilgerbus
mitgenommen, der zwar
ewig brauchte, uns aber an
etlichen Tempeln vorbeifuehrte und begleitet von Musik und
Gesangsstimmung wieder
mal einer von vielen unvergesslichen
Momenten.
Zurueck in Lhasa war ich
wieder mit den
chinesischen Schikanen konfrontiert, selber Leute fuer die
rechtzeitige Rueckreise nach Nepal finden,
Visa
verlaengern obwohl es eigentlich nicht moeglich ist , Genehmigungen besorgen
- das Reisen wird einem hier
bewusst schwer gemacht. Nachdem ich die Leute fuer einen Jeep gefunden hatte, fuhren wir zum
tibetischen
Everest
Basecamp auf 5200m. Mount Everst ist von dieser Seite viel imposanter und schon von weiterm sichtbar -
nicht wie auf
der Suedseite wo eigentlich nur der Gipfel sichtbar ist. Mit noch mehr Ehrfurcht stand ich
dieses Mal davor,
mich an
die Berichte erinnernd, die mir ein Englaender in einer Bar in Kathmandu
geschildert hat. Er musste mit seinem Team
wegen Schlechtwetters auf dieser Nordseite umdrehen und waehrend
sie alle heil nach unten kamen, liessen 7 andere
heuer zur
selben Zeit dort oben ihr Leben. Abschliessend
meinte er: "Das ist es nicht wert". Links neben
dem Basecamp hatten
wir einen "Huegel"
erspaeht, von dessen Gipfel
Everest zum Greifen
nahe schien. Leider verwehrte
uns das Wetter
am naechsten Tag den Blick und auch der Gipfel stellte sich als hoeher
als angenommen heraus. Knapp ueber
6000m gaben wir auf, mir ging regelrecht die Luft aus. Eine harte aber
interessante Erfahrung. Schliesslich
gings zurueck an
die Grenze und waehrend es auf der einen Seite mal wieder ewig
dauerte und einiges Theater
gemacht wurde, war auf der anderen
Seite alles in 2 Minuten mit einem fuer mich
ueberraschenden Gratisvisa
erledigt. Herzlich willkommen zurueck in Nepal. In
den verbleibenden Tagen war nun
Erholung angesagt, ich
fuhr in den Sueden Nepals in den Chitwan Nationalpark, wo ich in einem
Garten ausspannen und
zur Abwechslung
ein wenig auf Safari gehen konnte. Neben Elefanten, Nashoernern, Krokodilen, Schlangen,
Affen,
Voegeln und
Insekten gabs vor allem meterhohes Elefantengras , zwischen dem sich die Hitze ordentlich staute und die
Schweissbaeche rinnen liess.
Nun bin ich wieder mal in Kathmandu und habe die letzten paar
Tage Zeit
mir
Gedanken darueber zu machen, wie ich all das Zeug, das sich inzwischen angesammelt hat, in
meinen Rucksack
bekommen kann.
Danach gehts weiter nach Europa, genauer gesagt in den Westen von Oesterreich,
wo ich einige Verwandte
und Freunde besuchen
werde. Freue mich schon.
Liebe Gruesse an
alle ein letztes Mal aus
Kathmandu
Guggi
25.06.2004

