Home
- Details
- Veröffentlicht: 06. März 2005
Hallo miteinander,
Ich bin wieder
mal in Kathmandu oder besser gesagt im recht sauberen und angenehmen Touristenviertel Thamel, das mit seinen
Guesthouses,
Restaurants und den ganzen Touristengeschaeftern mit dem Rest der Stadt gar nicht zu vergleichen
ist.
Kathmandu ist immer
mein Ausgangspunkt fuer meine Ausfluege und je nachdem was ich dazu brauche passe
ich meinen
Rucksackinhalt entsprechend an
waehrend der Rest, der sich inzwischen angesammelt hat, hier
zwischengelagert wird.
Mein letzter
Ausflug, der eigentlich den ganzen Monat gedauert
hat, fuehrte mich in die
Gegend noedlich der Stadt Pokhara - dem
Annapurnamassiv. Startend in Besi Sahar ,
was ihr in unserem Schulatlas wohl
kaum finden werdet, umrundete ich gegen den
Uhrzeigersinn diesen
Gebirgsblock mit einer Passueberquerung auf 5400m
und stieg am Ende der Runde noch zum Annapurna
Basecamp
auf, das von allen Seiten mit Bergen jenseits der 7000m
eingekesselt ist. Die 22 Tage, die ich unterwegs war,
fuehrten mich duch die unterschiedlichsten Vegetationen und
Kulissen, durch Taeler hoch ueber reissenden
Fluessen, durch
Waelder und Schluchten , Vorbei an unzaehligen
Wasserfaellen und Bergdoerfern mit immer
wieder wechselnden Kulturen und
Architekturen, durch wuestenhafte Einoede
durchsaet mit sattgruenen,
bewaesserten Terassenfeldern, entlang Flussbetten mit
Flussueberquerungen – per
Haengebruecke oder auch
mal barfuss, viele Bergruecken hinauf um auf der anderen Seite wieder
abzusteigen, durch
Regenwald mit lautem
Vogelgezwitscher und Affengeschrei, hinauf zu zugefrorenen Seen und Gletscherwaenden
- und ueber
alldem
thronend die 8000er Annapurna, Dhaulagiri und Manaslu mit ihren etwas kleineren Kumpanen. Jeder Tag bot
immer
wieder komplett neue Kulissen. Da der Mai aufgrund des anklopfenden Monsuns schon Nebensaison ist, waren nicht mehr
allzuviele Leute unterwegs, somit hat man bald alle Leute unterwegs gekannt und immer wieder getroffen.
Selbst wenn
ich hier
in Kathmandu rumlaufe treffe ich dieselben Leute von Wandern und von Pokhara immer
wieder. Die wenigen Leute
machten das
Wandern angenehmer,idyllischer und auch billiger, da die unzaehligen
Hotelbesitzer richtig um die Gaeste
werben und kaempfen
mussten. Anhand der Anzahl von Teehaeusern und
Unterkueften liess sich erahnen was da in der
Hochsaison so los sein muss.
Trotzdem hatte ich wieder mal
Glueck mit dem Wetter, meistens strahlendblau, nur auf der
Suedseite mussten wir sehr zeitig
aus dem
Schlafsack um gute Ausblicke auf die Bergspitzen zu haben , bevor es
dunstig wurde oder Wolken reinzogen und es am
Nachmittag abundzu mal Regen gab.
Tagesetappen von
6-10 Stunden waren das Normalpensum und
der dadurch
resultierende Energieverbrauch liess sich am besten an unserem
staendigen Heisshunger erkennen.
Mit 2 Fruehstuecks , 2
Mittagessen und 2 Abendessen , dazwischen auch noch Kekse und
Schokoriegel wurden wir
zu richtigen
Futterverbrennungsmaschinen. Wusste gar nicht dass ich so viel vertilgen kann!
Nepal ist wirklich das
von mir erwartete Highlight dieser Asienreise, die Leute sind
unheimlich nett,
die verschiedenen Kulturen mit ihren Braeuchen
so faszinierend und diese Landschaft einfach
umwerfend. Neben
all der Schwaermerei moechte ich euch trotzdem nicht die
schlimme politische Situation vorenthalten,
die
meiner Ansicht nach in den letzten Monaten immer weiter eskaliert ist.
Demonstrationen mit hunderten Verletzten
und zahlreichen Gefangennahmen, Bombenanschlaege und laufenden Streiks mit
Strassenblockaden einerseits,
andererseits
der seit Jahren andauernde Buergerkrieg zwischen Armee und den Maoisten , die
grosse Teile der
entlegenen,
laendlichen Gebiete kontrollieren und z.t die Bevoelkerung terrorisieren. Armeecheckpoints
entlang der Strassen und
Sandsackburgen praegen genauso das Landschaftsbild. Die Erklaerung der Gruende und
Probleme wuerde
hier jetzt den
Rahmen sprengen. So erschreckend das jetzt alles klingen mag und so
frustrierend und leidvoll die ganze
Situation
fuer die Bevoelkerung ist, fuer Touristen ist es wegen dem
nicht gefaehrlich. Zugegeben war ich anfangs als ich
ankam
ein wenig verunsichert, jetzt wo ich die ganze
Situation besser kenne und mich daran gewoehnt habe, fuehle ich recht
wohl.
Eigentlich wollte ich urspruenglich nach Indien hinunter, aufgrund der so kurzen
verbleibenden
Zeit
und der inzwischen dort herrschenden Hitze zieht es mich jetzt eher woanders hin - naemlich nach
Tibet. Anschliessend
kehre ich wieder nach Nepal zurueck von wo aus ich auch meine Heimreise antreten werde.
Liebe Gruesse
an alle aus Kathmandu
Guggi
27.05.2004
