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- Veröffentlicht: 06. März 2005
Hallo miteinander,
Um euch schon
langsam auf die kommende Urlaubszeit einzustimmen und an deren Vorbereitung zu erinnern schicke ich euch mal
wieder
einen
Reisebericht, bevor ich wieder 3 Wochen irgendwo in den Bergen des Annapurnagebiets verschollen
bin. Nepal -
wieder mal ein
neues Land, das sich landschaftlich und kulturell kaum mit Suedostasien
vergleichen laesst - am
ehesten noch der alltaegliche
Verkehrswahnsinn, der mindestens so
wild ist wie in Vietnam. In
Kathmandu, der Hauptstadt Nepals, und den
umliegenden Staedten , die ich gesehen
habe, komme ich mir schon vor wie in
Indien, mit hinduistischen Tempeln, Altaeren, der
fuer mich
undurchschaubaren Goetterwelt, Opferungen, Feste und
Rituale, Totenverbrennungen am Fluss, prachtvoll bunte
Kleider, Schoenheitspunkte auf der Stirn und jede Menge
"schraege Gestalten" , die ueberall auf den
Strassen
herumschwirren und ich stundenweise beobachten
koennte. Langweilig wird einem hier absolut nicht. Im
Gegenteil - man wird
dauernd angequatscht und ausgefragt, jeder
bietet sich als "Freund und Helfer"
an. Leider versinkt vor allem
Kathmandu in einer Dunstglocke aus Staub
und Abgasen, die Baeche sind schwarz,
Muellhalden allerorts, am Strassenrand loderen
irgendwelche Feuer - sicher eine
der uebelsten Staedte, die
ich bisher erlebt hab. Trotzdem denke ich dass alles hier noch
Indien Light ist.
Neben den
Hindutempeln finden sich aber auch die bekannten Stupas und Gebetsfahnen des
tibetischen Buddhismus,
die , je
mehr man nach Norden geht, immer mehr das Landschaftsbild saeumen. Auch die Mentalitaet und
die Gesichter
der
dort lebenden Voelker sind dort anders. Apropos Landschaft - die ist wirklich wunderschoen. Ueberall Huegel
und
Berge mit Terassenfeldern, durchzogen von Fluessen und kleinen Bergsiedlungen. Je hoeher man dann raufgeht desto
atemberaubender wird dann die Kulisse mit den Bergriesen des Himalaya und desto karger die Vegetation. Ich
war 17
Tage im
Everest Gebiet wandern und es war einmalig. Innerhalb von einer Woche gings von 2600m rauf auf
4700m - musste
mich
schliesslich aklimatisieren, die folgenden 8 Tage kam ich allerdings nie mehr darunter. 2
Passueberquerungen und
3 Gipfel (
alle um die 5500m ) waren die Highlights der Tour mit gewaltigen Panoramen
auf die hoechsten Berge der
Welt. Mit offenem Mund
und glasigen Augen steht das Bergsteigerherz da und blickt
ehrfuerchtig auf Everest, Lhotse
& Co , die sich nochmal 3000m
vor dir emportuermen.
Da
Mount Everest nicht irgendein Berg ist,
sind leider auch die Auswuechse des
Tourismus nicht zu uebersehen.
Mit Tagesrucksaeckchen laufen Touristengruppen
gefolgt von einer doppelt so grossen Horde von
vollbepackten
Traegern ihrem
Ziel entgegen. Habe
viele Leute getroffen, die mit den Symptomen der
Hoehenkrankheit konfrontiert - starke Kopfschmerzen, Erbrechen,
Schwindel und Durchfall - wieder absteigen
mussten, auch hab
ich mich bei vielen Leuten gefragt was sie hier
ueberhaupt machen oder verloren haben.
Ausserdem ist mir z.T auch das von uns
zuhause gewohnte Matrazenlagergefuehl
abgegangen, viele
Huetten waren mit Zimmern ausgestattet, die vielfach
eher mit einem Hasenstall
vergleichbar waren.
Ansonsten hatte ich jede Menge an gemuetlichen Huettenabenden
mit Hock um den
waermenden
Ofen, Tratsch, Kartenspielen oder Lesen alter liegengebliebener Zeitungen - das Zusatzgewicht
eines Buches
werde ich beim naechsten Mal in Kauf nehmen.
Das wars Mal wieder, Ende Mai gibts
nochmals
einen Nepal Bericht.
Liebe Gruesse an alle aus Kathmandu
Guggi
27.04.2004

