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- Veröffentlicht: 02. Juli 2005
Hallo miteinander,
Mit lediglich drei
Wochen Zeitbudget zur Nordsueddurchquerung stand ich nun an den Pforten des fuenftgroessten Landes der Erde -
zuviel
Zeit um
einfach drueberzufliegen und zu wenig Zeit um wirklich in das Land und die vielfaeltige Kultur
eintauchen zu
koennen. Aber
ein kleinwenig kann ich euch berichten.
Das Erste was ich gleich an der Grenze zu spueren bekam war dieser komische, witzig wirkende Spanischverschnitt mit ungewohnter Aussprache, Lauten und Akzenten - auch Portugisisch genannt. Erstmals in Lateinamerika, wo ich bisher ohne gross darueber nachzudenken mit allen Spanisch reden konnte, merkte ich was es fuer einen Unterschied macht eine Sprache zu beherrschen oder nicht.
Gut dass Portugisisch auch eine romanische Sprache ist und Spanischkenntnisse sehr hilfreich sind, ohne diese waere ich wohl ziemlich verloren gewesen.
Somit redete ich weiterhin einfach auf Spanisch, was die meisten mit etwas Hinhoeren und Sprachbegabung auch verstanden, waehrend ich versuchte die mir bekannten Woerter aus der Antwort herausfiltern und damit einen Sinn zu basteln. Dies klappte gar nicht so schlecht und ich sah somit keinen Grund mir etwas dieser Sprache fuer diese kurze Zeit aneignen zu muessen.
An der Grenze in Santa Elena musste ich eine Weile warten, da ich zuerst der einzige war der suedlich nach Boa Vista wollte und zumindest vier Passagiere fuer das Sammeltaxi benoetigt wurden. Gluecklicherweise tauchte eine hochschwangere Frau auf, wodurch sich die Situation schlagartig beschleunigte.
Dafuer hing ich dann ungewollt in Boa Vista einen Tag fest da die einzige Strasse, die nach Manaus ins Amazonasgebiet fuehrt, aufgrund eines Streiks blockiert war. Inzwischen hatten die Fluggesellschaften ploetzlich saisonbedingt ihre Preise um ueber 50% angehoben und die relativ reife Idee nach Rio zu fliegen um mir ein betraechtliches Wegstueck zu sparen war somit wieder in Frage gestellt.
Als ich am Hafen herumschlenderte, das bunte Treiben der Flussboote beobachtete und Teile der Bootscrew der Bandeirante II, die auf ihre Abfahrt nach Porto Velho wartete, kennenlernte, entschied ich mich fuer die wesentlich kostenguestigere Bootsfahrt. Ich kaufte mir eine Haengematte, befestigte diese zur Platzreservierung am Mitteldeck und machte einen weiteren Stadtrundgang durch die zwei Millionen Metropole am Rio Negro, der sich einige Kilometer flussabwaerts mit dem milchkaffeebraunen Rio Amazonas vereint.
Zurueck am Deck ging mittlerweile meine Haengematte in einem bunten Meer von anderen Haengematten und Gepaecksstuecken unter und ich musste mir wieder etwas Platz gegenueber meinen Nachbarn verschaffen. Im letzen Moment wurde noch ein Boot voller Fische und ein Laster voll Duenger zugeladen, auch mehr Beiboote mussten nach dem Polizeicheck herbeigeschafft werden. Aber bei einer Viertagesreise kommt es auf einige Stunden sowieso nicht an. Ja und dann gondelte ich in der Haengematte, speziell in den ersten Tagen waehrend der Nacht besonders auf Tuchfuehlung mit meinen Nachbarn bis es sich nach und nach lichtete, den Rio Madeira hoch nach Porto Velho, genoss den Ausblick auf den vorbeiziehenden Regenwald und einzelne Huetten. Das Essen, im Wesentlichen Tag fuer Tag dasselbe, wurde in Etappen serviert, da es nur einen Tisch gab hinter dem etwas ungluecklich platziert die Toiletten lagen. Am Nachmittag bueckten wir stets Bier und Zuckerrohrschnaps begleitet von brasilianischer Musik und trieben mancherlei Unfug um nach dem Abendessen wieder muede in die Haengematten zu fallen. Wir machten auch in einigen, wenigen Doerfern halt, in einem wurden die zugeladenen Fische als illegal gefangen beschlagnamt, abgeladen und an die heraneilende Dorfbevoelkerung verteilt. Somit war immer etwas los und trotz eines halben Tages Verspaetung kam mir dieser Trip letztendlich gar nicht lange vor.
Von Porto Velho suedwaerts gibt es wieder eine Strassenverbindung, gut fuer mich jedoch der Tod fuer den Urwald. Meine Vorstellung war stets realistisch was ich entlang so einer Strasse zu sehen bekomme. Abgesehen von einem Teilstueck durch ein Indianerreservat noerdlich von Manaus, wo der Wald bis an den Strassenrand ging, wo teils hohe Baeume auf Primaerregenwald schliessen liessen und ich einen kurzen Blick auf eine Gruppe Indios erhaschte, die alle nur mit Lendenschuerzen bekleidet waren, sah das Bild anders aus. Ausgedehnte Rinderweideflaechen - zum Teil soweit das Auge reichte, leicht durchzogen mit einigen Baeumen oder Palmen, verkohlte oder vertrocknete Baumstuempfe, brach liegendes Land wird wieder von Bueschen und Jungpalmen ueberwuchert. Man passiert auch viele Lagunen aus denen graue, blaetterlose, abgestorbene Baeume aus dem Wasser ragen. Ein illegales Rodungsfeuer habe ich selbst gesehen waehrend im Fernsehen berichtet wurde, dass wieder ein Hektar illegal mit der Planierraupe plattgemacht wurde mit einer laecherlichen Strafe von ca. 500 Euro, welche mit dem Holzverkauf um ein Vielfaches wieder hereinzubringen ist.
Das Erste was ich gleich an der Grenze zu spueren bekam war dieser komische, witzig wirkende Spanischverschnitt mit ungewohnter Aussprache, Lauten und Akzenten - auch Portugisisch genannt. Erstmals in Lateinamerika, wo ich bisher ohne gross darueber nachzudenken mit allen Spanisch reden konnte, merkte ich was es fuer einen Unterschied macht eine Sprache zu beherrschen oder nicht.
Gut dass Portugisisch auch eine romanische Sprache ist und Spanischkenntnisse sehr hilfreich sind, ohne diese waere ich wohl ziemlich verloren gewesen.
Somit redete ich weiterhin einfach auf Spanisch, was die meisten mit etwas Hinhoeren und Sprachbegabung auch verstanden, waehrend ich versuchte die mir bekannten Woerter aus der Antwort herausfiltern und damit einen Sinn zu basteln. Dies klappte gar nicht so schlecht und ich sah somit keinen Grund mir etwas dieser Sprache fuer diese kurze Zeit aneignen zu muessen.
An der Grenze in Santa Elena musste ich eine Weile warten, da ich zuerst der einzige war der suedlich nach Boa Vista wollte und zumindest vier Passagiere fuer das Sammeltaxi benoetigt wurden. Gluecklicherweise tauchte eine hochschwangere Frau auf, wodurch sich die Situation schlagartig beschleunigte.
Dafuer hing ich dann ungewollt in Boa Vista einen Tag fest da die einzige Strasse, die nach Manaus ins Amazonasgebiet fuehrt, aufgrund eines Streiks blockiert war. Inzwischen hatten die Fluggesellschaften ploetzlich saisonbedingt ihre Preise um ueber 50% angehoben und die relativ reife Idee nach Rio zu fliegen um mir ein betraechtliches Wegstueck zu sparen war somit wieder in Frage gestellt.
Als ich am Hafen herumschlenderte, das bunte Treiben der Flussboote beobachtete und Teile der Bootscrew der Bandeirante II, die auf ihre Abfahrt nach Porto Velho wartete, kennenlernte, entschied ich mich fuer die wesentlich kostenguestigere Bootsfahrt. Ich kaufte mir eine Haengematte, befestigte diese zur Platzreservierung am Mitteldeck und machte einen weiteren Stadtrundgang durch die zwei Millionen Metropole am Rio Negro, der sich einige Kilometer flussabwaerts mit dem milchkaffeebraunen Rio Amazonas vereint.
Zurueck am Deck ging mittlerweile meine Haengematte in einem bunten Meer von anderen Haengematten und Gepaecksstuecken unter und ich musste mir wieder etwas Platz gegenueber meinen Nachbarn verschaffen. Im letzen Moment wurde noch ein Boot voller Fische und ein Laster voll Duenger zugeladen, auch mehr Beiboote mussten nach dem Polizeicheck herbeigeschafft werden. Aber bei einer Viertagesreise kommt es auf einige Stunden sowieso nicht an. Ja und dann gondelte ich in der Haengematte, speziell in den ersten Tagen waehrend der Nacht besonders auf Tuchfuehlung mit meinen Nachbarn bis es sich nach und nach lichtete, den Rio Madeira hoch nach Porto Velho, genoss den Ausblick auf den vorbeiziehenden Regenwald und einzelne Huetten. Das Essen, im Wesentlichen Tag fuer Tag dasselbe, wurde in Etappen serviert, da es nur einen Tisch gab hinter dem etwas ungluecklich platziert die Toiletten lagen. Am Nachmittag bueckten wir stets Bier und Zuckerrohrschnaps begleitet von brasilianischer Musik und trieben mancherlei Unfug um nach dem Abendessen wieder muede in die Haengematten zu fallen. Wir machten auch in einigen, wenigen Doerfern halt, in einem wurden die zugeladenen Fische als illegal gefangen beschlagnamt, abgeladen und an die heraneilende Dorfbevoelkerung verteilt. Somit war immer etwas los und trotz eines halben Tages Verspaetung kam mir dieser Trip letztendlich gar nicht lange vor.
Von Porto Velho suedwaerts gibt es wieder eine Strassenverbindung, gut fuer mich jedoch der Tod fuer den Urwald. Meine Vorstellung war stets realistisch was ich entlang so einer Strasse zu sehen bekomme. Abgesehen von einem Teilstueck durch ein Indianerreservat noerdlich von Manaus, wo der Wald bis an den Strassenrand ging, wo teils hohe Baeume auf Primaerregenwald schliessen liessen und ich einen kurzen Blick auf eine Gruppe Indios erhaschte, die alle nur mit Lendenschuerzen bekleidet waren, sah das Bild anders aus. Ausgedehnte Rinderweideflaechen - zum Teil soweit das Auge reichte, leicht durchzogen mit einigen Baeumen oder Palmen, verkohlte oder vertrocknete Baumstuempfe, brach liegendes Land wird wieder von Bueschen und Jungpalmen ueberwuchert. Man passiert auch viele Lagunen aus denen graue, blaetterlose, abgestorbene Baeume aus dem Wasser ragen. Ein illegales Rodungsfeuer habe ich selbst gesehen waehrend im Fernsehen berichtet wurde, dass wieder ein Hektar illegal mit der Planierraupe plattgemacht wurde mit einer laecherlichen Strafe von ca. 500 Euro, welche mit dem Holzverkauf um ein Vielfaches wieder hereinzubringen ist.
Schon
in der Schule hoerten wir von
der Zerstoerung des
Regenwaldes, aber es zwanzig Jahre spaeter mit eigenen
Augen zu sehen ist umso bitterer.
In der ersten von zwei 27-stuendigen Busfahrten erreichte ich Cuiaba von wo ich unter anderem einen Ausflug ins Pantanal machte, einem der groessten Feuchtgebiete der Erde mit Massen von Voegeln, Krokodilen und anderen Tieren und Ungeziefer. Dies laesst sich gut beidseitig entlang der Transpantaneira erkundigen, eine aufgeschuettete Strasse die von Pokone suedwarts fuehrt.
Waehrend der Normaltourist per Tourarrangment eine der zahlreichen Ecolodges aufsucht ( Achtung - Reiten inklusive ), versuchte ich es diesmal zusammen mit einem Polen auf einen ausgeliehenen Motorad auf eigene Faust. Fuer ein weiteres Abenteuer war somit gesorgt. Nach dem ersten Tag sassen wir bereits mit einem Platten fest, die Naechte in der Haengematte waren ueberraschend kuehl und mit einem Gewitter hatten wir auch nicht gerechnet, wenigstens waren die Krokodile schuechtern was man von den Muecken nicht behaupten konnte. Gut dass wir in der Naehe einer dieser Lodges zum Stillstand gekommen waren und so zu einigen Annehmlichkeiten kamen ohne dafuer tief in die Tasche greifen zu muessen. Zurueck gings per Anhalter nachdem nach einem vierstuendigen Hatsch durch die Hitze doch noch ein Auto auftauchte.
Der zweite Gewaltakt fuehrte mich hinunter ins Dreilaendereck bei den beruehmten Iguazu-Faellen, einem wahrhaftig impossanten Wasserspektakel von 275 Wasserfaellen, die , nachdem ich die letzten Monate wirklich jede Menge Wasserfaelle hatte, alle bisherigen blass aussehen laesst. Regenzeitbedingt donnern die Wassermassen an manchen Stellen derart kraeftig in die Tiefe, dass man durch die Rueckstossgicht den Grund gar nicht sehen kann - etwa so koennte man sich das Ende der Welt vorstellen, wenn die Erde tatsaechlich eine Scheibe waere.
Mit meiner Ausreise aus Brasilien gehoere ich nun wohl zum engen Kreis derjenigen, die Brasilien durchquerten ohne je einen Strand, geschweige von Rio oder Salvador gesehen zu haben. Aber was solls - immerhin habe ich etwas gesehen obwohl Brasilien eigentlich nie auf meinem Plan stand. Ueber die nahe Posadas gelegenen Ruinen ehemaliger Jesuitenmissionen und einem Abstecher nach Uruguay erreichte ich durchs Rio del Plata Delta nach gut viereinhalb Monaten wieder Buenos Aires.
Nach 541 Reisetagen durch 23 Laender, einem Kopf voll unvergesslicher Erfahrungen, Erlebnissen, unglaublichen Gebungen, atemberaubenden Landschaften und stets gastfreundlichen Menschen verschiedenster Kulturen kehre ich unbeschadet und gesund mit glasigen Augen wieder heim und werde nun wieder zu denjenigen gehoeren, die bereits sehnsuechtig wartend von ihrer naechsten Reise traeumen.
In der ersten von zwei 27-stuendigen Busfahrten erreichte ich Cuiaba von wo ich unter anderem einen Ausflug ins Pantanal machte, einem der groessten Feuchtgebiete der Erde mit Massen von Voegeln, Krokodilen und anderen Tieren und Ungeziefer. Dies laesst sich gut beidseitig entlang der Transpantaneira erkundigen, eine aufgeschuettete Strasse die von Pokone suedwarts fuehrt.
Waehrend der Normaltourist per Tourarrangment eine der zahlreichen Ecolodges aufsucht ( Achtung - Reiten inklusive ), versuchte ich es diesmal zusammen mit einem Polen auf einen ausgeliehenen Motorad auf eigene Faust. Fuer ein weiteres Abenteuer war somit gesorgt. Nach dem ersten Tag sassen wir bereits mit einem Platten fest, die Naechte in der Haengematte waren ueberraschend kuehl und mit einem Gewitter hatten wir auch nicht gerechnet, wenigstens waren die Krokodile schuechtern was man von den Muecken nicht behaupten konnte. Gut dass wir in der Naehe einer dieser Lodges zum Stillstand gekommen waren und so zu einigen Annehmlichkeiten kamen ohne dafuer tief in die Tasche greifen zu muessen. Zurueck gings per Anhalter nachdem nach einem vierstuendigen Hatsch durch die Hitze doch noch ein Auto auftauchte.
Der zweite Gewaltakt fuehrte mich hinunter ins Dreilaendereck bei den beruehmten Iguazu-Faellen, einem wahrhaftig impossanten Wasserspektakel von 275 Wasserfaellen, die , nachdem ich die letzten Monate wirklich jede Menge Wasserfaelle hatte, alle bisherigen blass aussehen laesst. Regenzeitbedingt donnern die Wassermassen an manchen Stellen derart kraeftig in die Tiefe, dass man durch die Rueckstossgicht den Grund gar nicht sehen kann - etwa so koennte man sich das Ende der Welt vorstellen, wenn die Erde tatsaechlich eine Scheibe waere.
Mit meiner Ausreise aus Brasilien gehoere ich nun wohl zum engen Kreis derjenigen, die Brasilien durchquerten ohne je einen Strand, geschweige von Rio oder Salvador gesehen zu haben. Aber was solls - immerhin habe ich etwas gesehen obwohl Brasilien eigentlich nie auf meinem Plan stand. Ueber die nahe Posadas gelegenen Ruinen ehemaliger Jesuitenmissionen und einem Abstecher nach Uruguay erreichte ich durchs Rio del Plata Delta nach gut viereinhalb Monaten wieder Buenos Aires.
Nach 541 Reisetagen durch 23 Laender, einem Kopf voll unvergesslicher Erfahrungen, Erlebnissen, unglaublichen Gebungen, atemberaubenden Landschaften und stets gastfreundlichen Menschen verschiedenster Kulturen kehre ich unbeschadet und gesund mit glasigen Augen wieder heim und werde nun wieder zu denjenigen gehoeren, die bereits sehnsuechtig wartend von ihrer naechsten Reise traeumen.
Liebe
Gruesse an alle
und bis bald
Guggi

