Thomas & Uber Cup European Stage
10.-15.2.2004 Presov, Slowakei

"So how long have you been umpiring?" - "Well…erm…for almost one year…" - "What!?" Der Däne Peter Ganes, zertifizierter IBF Umpire und wohl einer der besten seines Fachs, war nicht der einzige, dem es ob meiner Antwort die Sprache verschlug. Ich muss zugeben, ein Jahr im Einsatz, das dritte internationale Turnier und dann gleich zu Thomas und Uber Cup; das ist schon etwas unüblich und unter normalen Umständen vermutlich eher im Bereich der Unwahrscheinlichkeiten anzusiedeln. Denn schließlich handelte es sich hier um die Europaausscheidung für die Mannschaftsweltmeisterschaften, deren Finale im Mai in Jakarta (INA) stattfinden werden. Deshalb reiste in jener Woche alles, was Rang und Namen im europäischen Badmintonsport hat ins ostslowakische Städtchen Presov. Und ich meine wirklich alles. Von Peter Gade über Björn Joppien bis Rasmus Wengberg und von Camilla Martin über Huaiwen Xu bis Rikke Olsen lief dir jeder europäische Spitzenspieler auf dem Gang zum Klo über den Weg.
Wie kam also ich als unumstrittenes Greenhorn dazu, mich zur Garde der für dieses Event nominierten Court Officials zu gesellen? Na ja, 48 Schiedsrichter in den äußersten Osten der Slowakei zu locken ist nicht wirklich einfach, aber dringend notwendig, wenn man vorhat, ein Turnier in dieser Größenordnung in einer Halle mit zwölf Felder in weniger als einer Woche über die Bühne zu bringen. Ein Ex-Zivi mit ausreichend Freizeit und wenig Scheu vor einem 2**-Zimmer nach slowakischem Standard ist da schon eher zu ködern, und da Not am Mann, nimmt man in Gottes Namen auch diesen.
Vierzehn Stunden nahm meine recht unökonomisch gebuchte Anfahrt in Anspruch. Zugfahrt nach Wien, Busfahrt nach Bratislava, Flug nach Kosice und mit dem Auto nach Presov. Klingt im Nachhinein eigentlich gar nicht mehr so schlimm, oder? Gerade rechtzeitig erreichten Michael Nemec und ich noch das erste Briefing am Montagabend. Neben vielen unbekannten Gesichtern, gesellen sich mit jedem weiteren internationalen Turnier einige Bekannte mehr dazu - man fühlt sich umgehend wohl.
Vom Veranstalter wurde jeder Schiedsrichter mit einer Aktentasche, Scoreboard, Namensschild und Kugelschreiber ausgestattet, alles versehen mit dem Logo des Turniers. Bedauerlicherweise war keine Schiedsrichteruniform dabei, die vom ÖBV im November bestellten (und in Presov produzierten!) EBU-Shirts waren immer noch nicht eingetroffen. Mr. Ganes war so freundlich und half mir sofort mit seiner zweiten Garnitur aus.
Von Dienstag bis Donnerstag war ich dann im Einsatz, also für die Dauer der Gruppenspiele. Insgesamt konnte ich zwanzig absolvierte Spiele verbuchen, acht als Umpire und zwölf als Aufschlagrichter. Eine stattliche Anzahl - und fast so ermüdend wie selbst zu spielen. Aber ehrlich gesagt, als Schiedsrichter machen Turniere eindeutig mehr Spaß! Zwar ist man vor dem Spiel ebenso nervös und wird nervlich bisweilen aufs Äußerste beansprucht, aber neben dem Feld ist die Stimmung dafür umso ausgelassener, ungezwungen und herzlich. Der gesellschaftliche Aspekt jedenfalls kommt nicht zu kurz.
Die Rückfahrt erfolgte am Freitag auf selbem Wege mit den selben Mühen.

David von Schwerin, 18.02.04