Im Land
der aufgehenden Sonne
Japanreise
vom 28.6-5.7.2000
Wie man sich leicht vorstellen kann, war es eine riesen Überraschung für mich als ich so ganz plötzlich von meiner Nominierung als Ersatz für die Jugendvergleichskämpfe des ÖBV in Fuchu/Tokyo erfahren habe. Noch dazu gerade einmal etwas mehr wie einen Monat vor diesem Ereignis. Irgendwie ist diese Stadt doch etwas weiter weg als ich mir jemals vorgestellt hatte, überhaupt über den Sport hinzukommen.
Denn der Weg nach Tokyo ist weit: Die Zugfahrt nach Wien, wo ich übernachtete, war wohl das unerträglichste, denn die dauert ja fast so lange wie der ganze Flug nach Japan, noch dazu wenn man allein ist.
Aber bekanntlich hat ja alles ein Ende und so fand ich mich sehr früh am Mittwoch morgen am Flughafen Wien/Schwechat wieder. Dabei waren auch ÖBV-Präsident Robert Pfleger, Trainer Tomasz Mendrek sowie die Spieler Bettina Unterleitner, Claudia Mayer, Karin Mühlbacher, Fritz Thausing und Filip Hulak.
Von den folgenden Stunden vollkommener Ödnis lässt es sich meiner Meinung nach nicht all zu viel berichten. 2 Stunden-Flug nach London, 3 oder 4 Stunden Aufenthalt in Heathrow und noch viel mehr Stunden im Flugzeug über Sibirien. Am Donnerstag Vormittag erreichten wir Tokyo/Narita.
Ein Tag der sehr hektisch und zu unser aller Überraschung begann. In der Flughafenhalle wurden wir nämlich von einer Gruppe mit mindestens zehn, fünfzehn Leuten, die meisten davon bewaffnet mit Video- oder Fotokamera, stürmisch empfangen. Momente in denen man sich wie ein Weltmeister fühlt! Einen Weltmeister hätte man jetzt jedoch in sein Hotel gebracht und sich ausruhen lassen. Uns hingegen "packte" man in einen Bus und schleppte uns nach einer dreistündigen Fahrt ins Heimatmuseum sowie zum Schrein von Fuchu. Was nicht heißen soll, dass es nicht interessant war, im Gegenteil. Fuchu ist übrigens einer der vielen, sich selbst verwaltenden Stadtteile Tokyos.
Am Abend, nach einem kurzen Shoppingausflug und ausgiebigen Abendmahl, war es dann eine Wohltat sich in das herrliche heisse japanische Bad, welches am ehesten noch mit einer Sauna vergleichbar ist, zu legen. Ebenso kam der Schlaf auch recht bald über uns. Echt japanisch, auf dem Boden und mit einer Matte als Unterlage!
Am Freitag Vormittag stand ein Empfang beim Bürgermeister von Fuchu auf dem Programm, welches wiederum echt professionell aufgezogen war, denn sogar die Presse war anwesend unvorstellbar in Österreich. Ja, jeder von uns bekam sogar noch ein Geschenk (etwas mit dem sie dort nicht geizen, wie wir bald festgestellt haben).
Der frühe Nachmittag wurde noch für ein Training genutzt, bevor wir uns, mit dem Gedanken unsere Kauflust zu befriedigen, in die Massen von Leuten im Zentrum von Fuchu warfen. Doch angesichts der Preise verging uns die Lust am Einkaufen verging uns ganz schnell wieder. Unseren Frust verspeisten wir in einem netten Lokal mit Stäbchen.
Langsam näherte sich der Tag der Wahrheit. Das erste Spiel gegen eine lokale Schule war auf Samstag Nachmittag angesetzt. Niemand kannte die Gegner, keiner wusste wie sie spielen würden! Freitag nacht kamen in mir schon die ersten Zweifel ob meines eigenen Könnens auf. Die Spannung stieg.
Dazu kam, dass unser Trainig am Samstag morgen nicht gerade schlecht besucht war. Ständige Beobachtung durch japanische Offizielle und Trainer. Dann war es soweit. Zittern bei den meisten Spielern noch kurz vor der Begrüßung; doch bald war das Selbstvertrauen wieder in Ordnung und die Show konnte beginnen!
Gespielt wurde folgender Maßen: ein Doppel, drei Einzel, jeweils ein Damen- und ein Herrenteam. Als Ersatz war es für mich ja von vornherein klar, dass ich nur das dritte Einzel spielen würde, welches aber erst als letztes gespielt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war das Spiel allerdings schon gelaufen. Wir führten gegen die doch etwas schwächeren Japaner mit 3:0 und so dachte ich mir: "Na, da lassen wir aber mal nichts mehr anbrennen!" und "fürbte" meinen Gegner mit 15:2 und 15:2 vom Court. Die Damen standen in nichts nach und siegten gleichfalls souverän mit 4:0. Es folgten dann noch ein paar Mixed mit jeweils einem japanischen bzw. österreichischem Partner. Doch hier stand mehr der Spass im Vordergrund.
Nach den Spielen gab es eine kleine Siegerehrung mit Austausch von Geschenken im Restaurant. Allerdings gab es ein bisschen Kommunikationsprobleme, da die japanischen Spieler sehr wenig bis überhaupt kein Englisch konnten, unsere Japanischkenntnisse über ein einfaches "Danke" oder "Guten Tag" auch nicht hinausreichten und so war ein näheres Kennenlernen leider nicht möglich.
Am Sonntag standen Besuche bei einem Sumoringer- und einem Bogenschießclub sowie bei einem Kendo-Turnier auf dem Programm. Kendo, nur so nebenbei erwähnt, ist eine Art Schwertkampf und ebenfalls eine traditionelle Sportart in Japan.
Danach wartete der nächste Herausforderer, eine Privatschule aus der Nachbarschaft. Diese stellten sich als härtere Nuss dar, als wir gedacht hatten. Während unsere Mädchen auch diesmal nicht zu bremsen waren, sah es bei uns zu Beginn etwas düster aus. Das Doppel musste im dritten Satz abgegeben werden und auch ich musste im vorgezogenen dritten Einzel im ersten Satz den kürzeren ziehen und zwar den ganz kurzen mit nur zwei Punkten. Doch dann, ja dann riss ich mich nochmals zusammen, schüttelte alle Erinnerungen an den miserablen Start von mir und drehte den Spiess nochmal um. Nach meinem Sieg stand es nun 1:1 und meine Teamkollegen liessen sich jetzt auch nicht mehr halten. Die restlichen Einzel wurden auch gewonnen (wenn auch etwas klarer) - Endstand 3:1. Man konnte zufrieden sein.
Am Abend war bei einem herrlichen Buffet, gesponsert von der Stadt Fuchu, wieder Entspannung angesagt. Die Erinnerungen daran lassen mir jetzt noch das Wasser im Mund zusammenlaufen.
Am Montag gingen wir auf Sightseeingtour durch Tokyo, sahen allerdings nur den Bruchteil eines Bruchteils dieser Stadt. Aber auf der Aussichtsplattform des 333 Meter hohen Tokyo Towers konnte man sich einen sehr guten Überblick über die Ausmaße von Tokyo verschaffen.
Kaum am Boden, fuhr man uns wieder quer durch die Stadt um einen weiteren Schrein sowie diverse Souvenirshops zu besichtigen. Um endlich einen Bissen zwischen die Zähne zu bekommen, schauten wir auch kurz in ein Lokal. Witzig übrigens auch die Speisekarten, denn zum Teil werden die Speisen einfach in Plastik in einer Art Schaufensterkasten dargestellt. Natürlich gibt es auch richtige Karten, für unsereins jedoch schwer zu entziffern!
Den Nachmittag nützte man dann mit einem Bummel durch die riesigen Einkaufszentren, aber wie gesagt, wegen dem Einkaufen muss man da nicht hinfliegen.
Die Herren der Stadt Fuchu zeigten sich zum Abendessen wieder äußerst spendabel und luden uns in ein traditionelles japanisches Restaurant ein, wo wir allerlei exotisches und mit Ausnahme von Sushi völlig Unbekanntes aufgetischt bekamen. Aber die Küche ist nicht zu verachten!
Sozusagen als Nachspeise führte man uns zum Karaoke-Singen, an dem wir alle entgegen erster Erwartungen bis spät abends unseren Spass hatten.
Mit dem Dienstag brach unser letzter Tag in Japan ein. Ein etwa 3-stündiger Bustrip brachte uns zu einem der Wahrzeichen dieses Landes, dem Fujiama. Doch Mt. Fuji erbarmte sich unser nur für wenige Minuten in denen er sich zwischen Nebel und Wolken zeigte. Man brachte uns, hindurch durch das Grüne Meer, so der Name des Waldes am Hang um den Berg, bis an die höchstmögliche Stelle, die mit dem Bus erreichbar ist, von wo wir die Aussicht auf eine unbeschreiblich riesige Nebelsuppe hatten. Mit anderen Worten: die Sicht war gleich Null! Aber was solls, man war da und das zählt.
Tags darauf folgte der Abschied und der Antritt der Heimreise, welche für mich ja fast zwei Tage dauerte.
Soviel über meine Reise ins Land der aufgehenden Sonne, für mich der wohl größte Erfolg meiner bisherigen Karriere, auch wenn es in sportlicher Hinsicht nur Vergleichskämpfe waren!
David von Schwerin 31.08.2000