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Veröffentlicht: 20. September 2005

Im Jänner 2006
findet in Presov in der Slowakei die U19
B-Team-Europameisterschaft (Finlandia-Cup) statt, das mit
Abstand
wichtigste
U19-Turnier der Saison. Daher ist praktisch die ganze
Vorbereitungsarbeit des
Nachwuchsnationalteams
auf
dieses Turnier ausgerichtet, denn natürlich werden nur die besten
Spieler
Österreichs nominiert.
Unser Spieler
Daniel Wolf hat es sich
heuer zum Ziel gesetzt, bei diesem
Turnier im Einsatz zu sein
und
berichtet von seinem
Vorbereitungsprogramm im letzten Monat.
Montag, 15. August 2006, 7:00
Uhr: Ein einsamer
Badmintonspieler
schlendert mit noch leicht
verschlafenem Blick über Bahnsteig 5 des
Feldkircher
Bahnhofs. Der Zug nach Linz fährt langsam ein,
die
Teamkollegen, die sich allesamt bereits im Zug
befinden, sind
schnell
gefunden. Daniel Wolf befindet sich
auf der Anreise zum Sommerlehrgang
des
Österreichischen
U17/U19-Nationalteams in Cesky Krumlov
in
Tschechien. Was ihn erwartet weiß er
nicht genau. Sicher ist nur,
dass
es eine harte Woche werden
wird...
Nach
fünfeinhalb Stunden Zugfahrt und
anschließenden 100 Kilometern
im
Kleinbus durch die
Tschechische Pampas stehen wir um ca. 14:45 vor dem
bereits
aus früheren Kursen
bekannten
Badmintonzentrum in Krumlov.
Während einer kurzen Besprechung bekommen wir alle
einen
minutiös
abgestimmten Lehrgangsplan für die gesamte Woche in die Hand gedrückt.
Danach bleibt
noch
kurz Zeit, die spärlich ausgestatteten Zimmer zu
beziehen, um sich gleich darauf in voller
Badminton-Montur
in die
Halle
zu begeben, wo man vom Trainerteam (Jugendnationaltrainer Mani
Ernst,
U15-Nationaltrainerin Verena
Fastenbauer
und Tomasz Mendrek, ehemaliger
Jugendnationaltrainer)
bereits erwartet wird...
Um sich
ungefähr vorstellen zu können, wie ein
normaler Trainingstag
bei einem solchen
Lehrgang abläuft,
möchte ich als Beispiel
den
Dienstag dieser Woche heranziehen:
08:00:
Frühstück
09:00 -
10:15: BADMINTON-FIT - Schattenbadminton im Sand
10:30
- 12:00:
Individualtraining "Technik" - Arbeit an individuellen Arbeitsaufträgen
12:30:
Mittagessen
13:45 - 14:15: BILD VOM BADMINTON - Videobeobachtung
14:30 - 15:30:
Trainingswettkampf "König gegen Arbeiter"
15:45 - 16:45: Krafttraining
mit Kleingeräten -
Beine/Rumpf/Schulter/Arm/Finger
17:00 - 18:00: BASIC-Training
"Arm und
Schläger" und Racketspeed
18:30:
Abendessen
20:30 - 21:00:
Matchtraining
"gesteuert"
21:00 -
21:45: Matchtraining
23:00:
BETTRUHE
Nach meiner nicht gerade guten Sommervorbereitung war
ich für
meinen
Teil bereits nach den ersten
eineinhalb Tagen bedient. Die schon
auftretenden Schmerzen in
Waden
und Oberschenkeln sollten bis Anfang
der
nächsten Woche anhalten... Jedoch war mein persönlicher
Höhepunkt
der Anstrengungen noch nicht erreicht,
dieser sollte erst am Mittwoch
folgen. Ich muss
dazu
sagen, dass ich mich noch bei keinem Kurs, den
ich bisher
absolviert habe, in irgendeiner Weise
"schonen" musste, doch
es gibt ja bekanntlich immer ein erstes Mal... Nach
sieben
aufeinanderfolgenden Sprints über eine 200m lange Bergstrecke bestehend
aus Treppen und
Anstiegen
konnte
ich mein Frühstück mit Müh und Not
gerade noch im Magen behalten. Den
darauffolgenden
40-minütigen
Dauerlauf in (laut Tomasz Mendrek) "lockerem" Tempo musste ich
zu
Beginn regelrecht
spazieren, um nicht total wegzukippen.
Man kann sich
wahrscheinlich vorstellen, dass ich
nicht
gerade
unglücklich war, als ich mich am Freitag Nachmittag
dieser Woche
erschöpft in die
weichen Sitze
unseres Busses fallen lassen konnte, um
die Heimreise
anzutreten. Nun ja, es war keine richtige
Heimreise.
Stattdessen
ging es auf schnellstem Wege über
Österreich nach Prien am
Chiemsee in
Deutschland, wo ich mit anderen
Teammitgliedern
zur
Vorbereitung auf die Saison am Chiemsee-Cup teilnehmen sollte
- einem
Regionalturnier, welches von
vielen guten Spielern als "Matchtraining"
genutzt wird. Auf
Empfehlung von Jugendnationaltrainer
Mani Ernst
war
ich in der zweiten Leistungskategorie gemeldet. In der ersten
Kategorie
war es gut
möglich, nach zwei Spielen
die Segel streichen zu müssen.
Ich wollte dieses
Turnier jedoch
dafür nutzen, soviel Spielpraxis
wie
möglich zu sammeln.
Natürlich war
gerade
in den ersten paar Spielen ein
größerer
Niveauunterschied zur Topklasse zu merken. Dies kam mir
aber nicht
ungelegen, meine Beine waren ja
seit einer knappen Woche schwer wie
Blei...
Zur
allgemeinen Belustigung unseres Teams traf ich dann
im
Viertelfinale auf einen (Achtung Schätzung!)
50-jährigen Deutschen.
Lustig war es deshalb, weil dieser
Mensch gar nicht erst versuchte,
auch
nur einen
Schritt zu laufen (man hat zumindest den Eindruck) um
Badmintonspiele
zu gewinnen. Stattdessen
wird einfach jeder
Ball, der
irgendwie erreicht wird, mit wildem Gefuchtel und
unnachahmbaren
Bewegungen getäuscht, dass
sogar Andi aus unserem Verein (und Andi hat
bisher noch
jeden einmal so
richtig vera****) vor Neid erblassen
würde.
Dies war wahrscheinlich eines der
anstrengensten Matches
meiner
bisherigen Karriere, zumindest was
die Konzentration betrifft...
Schlussendlich konnte ich dieses
Spiel sowie das anschließende
Halbfinale aber für mich
entscheiden.
Pünktlich zum am
nächsten Morgen anstehenden Finale
meldeten
sich
glücklicherweise meine Beine so langsam zurück, und so
konnte ich mir in zwei
glatten
Sätzen den Turniersieg sichern!
Vier Tage später: Eine
weiteres Mal
mache ich
mich vollbepackt mit
Motivation auf den Weg zum Langenfeld-Cup, einem der
bestbesetzten
Jugendturniere in
Europa nördlich von Köln. Da ich im Mixed nicht
gemeldet war,
konnte ich am
ersten Turniertag eine
ruhige Kugel
schieben und beschränkte meine sportlichen
Aktivitäten auf ein
paar
Minuten lockeres
Einspielen. Am Samstag ging es dann auch für mich
so
richtig los, das erste Einzel gegen
einen Mr. Unbekannt
aus Schweden
stand auf dem Programm. Nach
einer mehr oder weniger guten Leistung
konnte ich nach
zwei
kraftraubenden Sätzen als Sieger das
Spielfeld
verlassen. Es folgte der obligatorische Blick auf den
Zeitplan, danach
konnte ich mich
auf drei Stunden Pause einstellen.
In der zweiten Runde wartete ein
gewisser
Eric Vind auf mich,
seines
Zeichens Nummer zwei der U19-Rangliste in Dänemark, bekanntlich
DIE
Badmintonnation in
Europa. Orginalzitat von Mani Ernst vor dem Spiel:
"Versuche dieses Spiel zu
genießen..."
Der Genuss
dauerte geschätzte 20
Minuten, in denen ich ganze fünf hart
erkämpfte Punkte
zusammenkratzen
konnte!
Da Turniere diesen Kalibers immer mit dem KO-System
gespielt
werden,
konnte ich mich nach diesem Spiel voll und
ganz auf das anstehende
Doppel mit meinem Partner
Daniel Graßmück (NÖ) vorbereiten.
Unsere
tschechischen Gegner konnten wir bereits beim
Kurs in
Krumlov
beobachten, als sie immer vor beziehungsweise nach
uns in der Halle
trainierten. Leider
mussten wir das
Spiel trotzdem knapp im dritten
Satz abgeben. Wenn man jedoch
bedenkt, dass wir erstmals
seit mehreren
Jahren
wieder gemeinsam auf dem Feld standen, war die erbrachte
Leistung mehr
als
zufriedenstellend.
Das
änderte aber natürlich nichts an der Tatsache, dass ich nach nur drei
Spielen in beiden Bewerben
ausgeschieden war...
Nun wird sich so mancher Leser
dieses Berichts
fragen, wozu man so
viel
Zeit in Lehrgänge und irgendwelche Turniere inverstiert.
Nun, im Jänner
findet in
Presov in der
Slowakei die U19 B-Team-Europameisterschaft
statt, dass mit
Abstand wichtigste U19-Turnier der Saison. Vor
zwei
Jahren hat Österreich den Aufstieg in die
A-Gruppe knapp verpasst,
dieses große Ziel soll heuer
mit
aller Kraft erreicht werden. Daher
ist
praktisch die ganze Vorbereitungsarbeit auf dieses
Turnier
ausgerichtet, denn
natürlich werden
nur die besten Spieler Österreichs
nominiert. Ich
bestreite heuer meine letzte U19-Saison,
daher
wäre es
höchstwahrscheinlich mein letzter großer
internationaler Auftritt,
bevor ich in den
kommenden Jahren wegen eines geplanten Studiums etwas
kürzer
treten muss.