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Image Im Jänner 2006 findet in Presov in der Slowakei die U19 B-Team-Europameisterschaft (Finlandia-Cup) statt, das mit Abstand wichtigste U19-Turnier der Saison. Daher ist praktisch die ganze Vorbereitungsarbeit des Nachwuchsnationalteams auf dieses Turnier ausgerichtet, denn natürlich werden nur die besten Spieler Österreichs nominiert. Unser Spieler Daniel Wolf hat es sich heuer zum Ziel gesetzt, bei diesem Turnier im Einsatz zu sein und berichtet von seinem Vorbereitungsprogramm im letzten Monat.


Montag, 15. August 2006, 7:00 Uhr: Ein einsamer Badmintonspieler schlendert mit noch leicht verschlafenem Blick über Bahnsteig 5 des Feldkircher Bahnhofs. Der Zug nach Linz fährt langsam ein, die Teamkollegen, die sich allesamt bereits im Zug befinden, sind schnell gefunden. Daniel Wolf befindet sich auf der Anreise zum Sommerlehrgang des Österreichischen U17/U19-Nationalteams in Cesky Krumlov in Tschechien. Was ihn erwartet weiß er nicht genau. Sicher ist nur, dass es eine harte Woche werden wird...

Nach fünfeinhalb Stunden Zugfahrt und anschließenden 100 Kilometern im Kleinbus durch die Tschechische Pampas stehen wir um ca. 14:45 vor dem bereits aus früheren Kursen bekannten Badmintonzentrum in Krumlov. Während einer kurzen Besprechung bekommen wir alle einen minutiös abgestimmten Lehrgangsplan für die gesamte Woche in die Hand gedrückt. Danach bleibt noch kurz Zeit, die spärlich ausgestatteten Zimmer zu beziehen, um sich gleich darauf in voller Badminton-Montur in die Halle zu begeben, wo man vom Trainerteam (Jugendnationaltrainer Mani Ernst, U15-Nationaltrainerin Verena Fastenbauer und Tomasz Mendrek, ehemaliger Jugendnationaltrainer) bereits erwartet wird...

Um sich ungefähr vorstellen zu können, wie ein normaler Trainingstag bei einem solchen Lehrgang abläuft, möchte ich als Beispiel den Dienstag dieser Woche heranziehen:

08:00:                Frühstück

09:00 - 10:15:    BADMINTON-FIT - Schattenbadminton im Sand
10:30 - 12:00:    Individualtraining "Technik" - Arbeit an individuellen Arbeitsaufträgen

12:30:                 Mittagessen

13:45 - 14:15:    BILD VOM BADMINTON - Videobeobachtung
14:30 - 15:30:    Trainingswettkampf "König gegen Arbeiter"
15:45 - 16:45:    Krafttraining mit Kleingeräten - Beine/Rumpf/Schulter/Arm/Finger
17:00 - 18:00:    BASIC-Training "Arm und Schläger" und Racketspeed

18:30:                Abendessen

20:30 - 21:00:    Matchtraining "gesteuert"
21:00 - 21:45:    Matchtraining

23:00:                BETTRUHE

Nach meiner nicht gerade guten Sommervorbereitung war ich für meinen Teil bereits nach den ersten eineinhalb Tagen bedient. Die schon auftretenden Schmerzen in Waden und Oberschenkeln sollten bis Anfang der nächsten Woche anhalten... Jedoch war mein persönlicher Höhepunkt der Anstrengungen noch nicht erreicht, dieser sollte erst am Mittwoch folgen. Ich muss dazu sagen, dass ich mich noch bei keinem Kurs, den ich bisher absolviert habe, in irgendeiner Weise "schonen" musste, doch es gibt ja bekanntlich immer ein erstes Mal... Nach sieben aufeinanderfolgenden Sprints über eine 200m lange Bergstrecke bestehend aus Treppen und Anstiegen konnte ich mein Frühstück mit Müh und Not gerade noch im Magen behalten. Den darauffolgenden 40-minütigen Dauerlauf in (laut Tomasz Mendrek) "lockerem" Tempo musste ich zu Beginn regelrecht spazieren, um nicht total wegzukippen.

Man kann sich wahrscheinlich vorstellen, dass ich nicht gerade unglücklich war, als ich mich am Freitag Nachmittag dieser Woche erschöpft in die weichen Sitze unseres Busses fallen lassen konnte, um die Heimreise anzutreten. Nun ja, es war keine richtige Heimreise. Stattdessen ging es auf schnellstem Wege über Österreich nach Prien am Chiemsee in Deutschland, wo ich mit anderen Teammitgliedern zur Vorbereitung auf die Saison am Chiemsee-Cup teilnehmen sollte - einem Regionalturnier, welches von vielen guten Spielern als "Matchtraining" genutzt wird. Auf Empfehlung von Jugendnationaltrainer Mani Ernst war ich in der zweiten Leistungskategorie gemeldet. In der ersten Kategorie war es gut möglich, nach zwei Spielen die Segel streichen zu müssen. Ich wollte dieses Turnier jedoch dafür nutzen, soviel Spielpraxis wie möglich zu sammeln.
Natürlich war gerade in den ersten paar Spielen ein größerer Niveauunterschied zur Topklasse zu merken. Dies kam mir aber nicht ungelegen, meine Beine waren ja seit einer knappen Woche schwer wie Blei...
Zur allgemeinen Belustigung unseres Teams traf ich dann im Viertelfinale auf einen (Achtung Schätzung!) 50-jährigen Deutschen. Lustig war es deshalb, weil dieser Mensch gar nicht erst versuchte, auch nur einen Schritt zu laufen (man hat zumindest den Eindruck) um Badmintonspiele zu gewinnen. Stattdessen wird einfach jeder Ball, der irgendwie erreicht wird, mit wildem Gefuchtel und unnachahmbaren Bewegungen getäuscht, dass sogar Andi aus unserem Verein (und Andi hat bisher noch jeden einmal so richtig vera****) vor Neid erblassen würde. Dies war wahrscheinlich eines der anstrengensten Matches meiner bisherigen Karriere, zumindest was die Konzentration betrifft...
Schlussendlich konnte ich dieses Spiel sowie das anschließende Halbfinale aber für mich entscheiden.
Pünktlich zum am nächsten Morgen anstehenden Finale meldeten sich glücklicherweise meine Beine so langsam zurück, und so konnte ich mir in zwei glatten Sätzen den Turniersieg sichern!

Vier Tage später: Eine weiteres Mal mache ich mich vollbepackt mit Motivation auf den Weg zum Langenfeld-Cup, einem der bestbesetzten Jugendturniere in Europa nördlich von Köln. Da ich im Mixed nicht gemeldet war, konnte ich am ersten Turniertag eine ruhige Kugel schieben und beschränkte meine sportlichen Aktivitäten auf ein paar Minuten lockeres Einspielen. Am Samstag ging es dann auch für mich so richtig los, das erste Einzel gegen einen Mr. Unbekannt aus Schweden stand auf dem Programm. Nach einer mehr oder weniger guten Leistung konnte ich nach zwei kraftraubenden Sätzen als Sieger das Spielfeld verlassen. Es folgte der obligatorische Blick auf den Zeitplan, danach konnte ich mich auf drei Stunden Pause einstellen.
In der zweiten Runde wartete ein gewisser Eric Vind auf mich, seines Zeichens Nummer zwei der U19-Rangliste in Dänemark, bekanntlich DIE Badmintonnation in Europa. Orginalzitat von Mani Ernst vor dem Spiel: "Versuche dieses Spiel zu genießen..." Der Genuss dauerte geschätzte 20 Minuten, in denen ich ganze fünf hart erkämpfte Punkte zusammenkratzen konnte!
Da Turniere diesen Kalibers immer mit dem KO-System gespielt werden, konnte ich mich nach diesem Spiel voll und ganz auf das anstehende Doppel mit meinem Partner Daniel Graßmück (NÖ) vorbereiten. Unsere tschechischen Gegner konnten wir bereits beim Kurs in Krumlov beobachten, als sie immer vor beziehungsweise nach uns in der Halle trainierten. Leider mussten wir das Spiel trotzdem knapp im dritten Satz abgeben. Wenn man jedoch bedenkt, dass wir erstmals seit mehreren Jahren wieder gemeinsam auf dem Feld standen, war die erbrachte Leistung mehr als zufriedenstellend.
Das änderte aber natürlich nichts an der Tatsache, dass ich nach nur drei Spielen in beiden Bewerben ausgeschieden war...

Nun wird sich so mancher Leser dieses Berichts fragen, wozu man so viel Zeit in Lehrgänge und irgendwelche Turniere inverstiert. Nun, im Jänner findet in Presov in der Slowakei die U19 B-Team-Europameisterschaft statt, dass mit Abstand wichtigste U19-Turnier der Saison. Vor zwei Jahren hat Österreich den Aufstieg in die A-Gruppe knapp verpasst, dieses große Ziel soll heuer mit aller Kraft erreicht werden. Daher ist praktisch die ganze Vorbereitungsarbeit auf dieses Turnier ausgerichtet, denn natürlich werden nur die besten Spieler Österreichs nominiert. Ich bestreite heuer meine letzte U19-Saison, daher wäre es höchstwahrscheinlich mein letzter großer internationaler Auftritt, bevor ich in den kommenden Jahren wegen eines geplanten Studiums etwas kürzer treten muss.