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Veröffentlicht: 08. Mai 2005
Hallo miteinander,
Ich habe euch zwar
lange hingehalten, dafuer kann ich euch jetzt ein Gesamtbild vermitteln , das ich in den letzten 2
Monaten von
Kolumbien bekommen habe, wobei mir das wieder einmal eine unloesbare Aufgabe erscheint.
Das Image
Kolumbiens
im Ausland ist vor allem durch die Medienberichte ueber jahrzehntelange Gewalt
durch den Guerrilla- und
Drogenkrieg,
Entfuehrungen und hohen Mordraten in den Staedten gepraegt. Selbst
jetzt raet unser Aussenministerium
von Reisen ab obgleich
sich die Sicherheitslage in den letzten Jahren mit
dem neuen Praesidenten wesentlich
verbessert hat. Mit kraeftiger Waffen-
und Finanzunterstuetzung seites der
USA im Kampf gegen Guerrillas und die
Kokainmafia ist die Polizei- und Militaerpraesenz
allgegenwaertig.
Neben Stassencheckpoints und Soldaten entlang der
kritischen Abschnitte der Hauptverkehrsrouten gab es auch
laufend Kontrollen und Leibesvisitationen bei Zutritten zu
oeffentlichen Plaetzen, Gebaeuden und
Veranstaltungen. Den
Security Hoehepunkt erreichte die Osterreisewoche der
Kolumbianer in der wohl alles
aufgeboten wurde was moeglich war um
Terrorattacken oder Entfuehrungen zu vermeiden.
Das Militaer
patrollierte durch die Strassen Popayans und sicherte Plaetze,
Huegel und saemtliche Wege in die Stadt.
Das
mag jetzt alles wild klingen, vermittelte aber genauso ein Sicherheitsgefuehl.
Ich empfand Kolumbien nicht mehr
oder weniger sicher als die meisten anderen Laender bisher.
So - aber nun
zum Wesentlichen:
Land und
Leuten, und da bietet Kolumbien alles was man sich nur wuenschen kann. Landschaftlich ist
Kolumbien
in gruener,
fruchtbarer Teppich, im Suedosten zum Amazonas hin und der Pazifikkuestenstreifen ist Regenwald, der
Norden ist flach
und heiss mit schoenen Karibikstraenden. Das Herz Kolumbiens sind aber die klimatisch
angenehmeren
Bergregionen der
Anden, die sich in drei Gebirgszuege mit Taelern und Hochebenen dazwischen
spreizen und somit diverseste
Klimazonen
entsprechend Hoehe und Wettereinfluss hervorbringen. Die Landschaft
ist stark kultiviert, in den niedrigen Zonen
gibt
es vor allem Reis, Baumwolle, Tabak, Kakao, Obst, Gemuese
und Rinderweideflaechen, in mittleren Hoehen reift Kolumbiens
beruehmter Cafe durchzogen wiederum mit
schattenspendenden Bananenpalmen und vielen Zuckerrohrplantagen weiter oben
oder in
kuehleren und naesseren
Gegenden Kartoffeln, Mais und Geteide. Darueber befindet sich das Paramo, eine
dornigen
Gras-Buschlandschaft
mit Kakteen. Koka habe ich nur in der raffinierten Form zu Gesicht bekommen. Durch die
fast
gleichbleiben
Temperaturen das ganze Jahr ueber sind je nach Kultivo 2-4 Ernten moeglich. Bei den ueblichen
haarstraeubenden
Vollgasbusfahren mit abrupten Bremsmanoefern von der Ueberholspur bei nahendem Gegenverkehr oder an
den
rechten Fahrbahnrand
um weitere Passagiere zuzuladen, schlaengelt man sich durch die Huegel innerhalb kuerzester
Zeit von einem Landschaftsbild
zum anderen.
Trotz all den landschaftlichen Reizen , das
Highlight
sind die Kolumbianer selbst. Ein
gastfreundliches, gemuetliches Volk, stets hilfsbereit und
warmherzig, es dauert
nicht lange bis man an einem Tisch sitzt und
ein Stamperchen Aguardiente ( Anisschnaps
) oder Rum nach dem anderen
ueberreicht bekommt. In der Zona Cafetera ist immer ein
Cafe parat und die Leute
sind noch um einiges netter als an
der Karibikkueste, wo es vom Hochland her gar nicht gewohnt sehr
viele
laestige Strassenverkaeufer gibt.
Die
Menschen sind ein kunterbunter Mix aus allem was sich aus weissen
Europaern,
Indios und den ehemaligen Sklaven aus
Westafrika ueber die Jahrhunderte zusammengebraut hat.
Soweit ich die feminine Seite
beurteilen kann hat es sehr
Erfreuliches hervorgebracht, das sich auch mit
dementsprechend reizvollem Outfit zu praesentieren
versteht.
Kolumbien besticht durch
koloniale Pracht. Cartagena, einst Spaniens wichtigste, bestbefestigste
aber auch
meistgepruefteste
Ueberseehafenstadt ist definitiv die schoenste koloniale Altstadt, die ich bisher auf meiner
Reise
durch
Lateinamerika zu Gesicht bekam. Die bunt bemalten Haeuser mit den typischen Balkonen, Fenstergittern und den
lieblichen, ruhespendenden Innenhoefen fand ich aber fast in allen meinen Stops im Land - Barichara, Bogotas
Altstadt
und
Salento waren einige Gustostueckchen waehrend in Popayan, Mompos , Villa de Leyva und Giron die
Farbe weiss mit
braunen oder
schwarzen Tueren und Fenstern bestimmte. Die touristische Infrastruktur ist gut
ausgebaut denn die
Kolumbianer reisen gerne ,
jedoch konzentriert sich dies auf einige wenige Wochen.
Auslaendische Touristen sind
angenehm rar.
Von der 8
Millionen Metropole Bogota auf einer
Hochebene von 2600m startete ich zuerst
zu einer Runde nach Sueden. Die San Agustin
Kultur nahe dem
gleichnamigen Dorf und seinen uns erhaltenen netten
Steinfiguren zaehlt zu den aeltesten bekannten
archeologischen Ueberbleibseln in Amerika. Auch die nahegelegene
Tierradentro Kultur, die bemalte,
unterirdische Grabkammern
anfertigte, bescherte mir nach all den besichtigten
Ruinen eine aeusserst
interessante Abwechslung. In der Karwoche erreichte
ich Popayan, wo in taeglichen,
stundendauernden
Nachtprozessionen schwere Stationen durch die
Strassen geschleppt
wurden. In Silvia gabs wieder
einmal
einen bunten Indiomarkt, wo auch die Maenner Roecke trugen gleich wie in der Guajira
Provinz im auessersten
Nordostzipfel. Dort trugen die Indios weite, bunte Gewaender und errinnerten mich mit den dunklen
Gesichtern
und
Kopfbedeckungen eher an Bilder aus Afrika. Cali bot reihenweise Salsaschuppen und Nightlife, San Cipriano ein
kleines
abgelegenes Dorf voller Schwarzer nahe Buenaventura, das nur entlang der Eisenbahnschienen mittels
selbstgefertigter,
hoelzerner Schlitten mit aufgeschnalltem Moped als Antrieb zu erreichen ist. Salento war
dann ein Erholungsstop in
der Zona
Cafetera nahe Armenia mit den beruehmten Waxpalmen.
Dort machte ich
meinen einzigen Versuch in einer
mehrtaegigen
Wanderung in die staendig wolkenverhangenen hoeheren
Bergregionen und den schneebedeckten Gipfeln
vorzudringen und traf
prompt auf die Armee, die zu einer
"routinemaessigen Saeberungsaktion" in die Berge
aufbrache und uns riet wieder
umzudrehen. So
sassen wir halt mit den Einheimischen auf den Baenkchen vor den Haeusern
und beobachteten das Treiben auf den
Gassen unter anderem auch, wie ich es immer wieder in den kleineren Orten
erlebte, Reiter natuerlich mit Hut
und
traditionellem Gewand auf dem Pferd durch die Strassen trabben. Einspaenner
praegten das Strassenbild
auch in groesseren
Staedten.
Zurueck in Bogota begann die Reise nach
Norden, ueber Zipaquira
mit einer riesigen Salzkathedrale,
die in stillgelegten, unterirdischen Salzabbaukammern mit
schoenen
Lichteffekten aufwartet, durch andere nette
Kolonialstaedtchen begann mit sinkenden Hoehen das grosse
Schwitzen. Im Norden neben Santa Marta thront die Sierra Nevada
Santa Marta, die aufgrund der
haengenbleibenden
Wolken im Gegensatz zum kargeren Gebiet oestlich und westlich davon mit
Regenwald
aufwartet. Die Straende sind von
Urwald umgeben, der Himmel ist meist bewoelkt und die Hitze mit hoher
Luftfeuchtigkeit. Schlafen in Haengematten am
Strand und dringen neben abkuehlendem Karibikbaden durch den
Dschungel zu
einigen Ruinen eines ehemaligen
Indianervolkes vor. Auch heute leben noch viele Indios in dieser
Gegend und vermittelte ein
wenig ein Gefuehl, wie es
bei der Ankunft der Spanier ausgesehen haben
koennte.
In einem Abstecher zum
aeussersten, trockenen
Nordostzipfel mit klarem Himmel und
brennender Sonne, dafuer auch die gewohnten tuerkisgruenen
Karibikfarben,
landeten wir rechtzeitig zum
Vallenato Festival in Valledupar. Vallenato entstand in dieser Region als die
Kolumbianer mit Akkordeons, die
irgendwie ihren Weg aus unseren Sphaeren dorthin fanden, zu experimentieren begannen
und
untermauert mit
Trommeln, Reiben und den ueblichen romantischen Gesangsthemen mich durch ganz Kolumbien
begleiteten. Waehrend
das Festival Vallenato pur war und die Massen bis zum Sonnenaufgang auf Trab hielt, ist in den
Discos
vorwiegend ein
Crossover aus Vallenato, Salsa, Reagaeton, Perreo, Rock und einigen aktuellen elektronischen
Songs angesagt. Leider fuellten
sich Discos nur Samstags ausreichend und nach Argentiniens Openends war eine
Sperrstunde zwischen 2-3 Uhr schon ziemlich
frueh.
Ich hoffe, dass ich das Wichtigste
untergebracht
habe, die Route selbst ist bei geschicktem Verbinden
der im Bericht enthaltenen Namen
sicherlich ausfindig zu machen.
Nun gehts weiter ueber Cucuta Richtung Venezuela.
Liebe
Gruesse an alle aus Bucaramanga,
Kolumbien
Guggi