Drucken 
Hallo miteinander,

Ich habe euch zwar lange hingehalten, dafuer kann ich  euch jetzt ein Gesamtbild vermitteln , das ich in den letzten 2 Monaten von Kolumbien bekommen habe, wobei mir das wieder einmal eine unloesbare Aufgabe erscheint.

Das Image Kolumbiens im Ausland ist vor allem durch die Medienberichte ueber jahrzehntelange Gewalt durch den Guerrilla- und Drogenkrieg, Entfuehrungen und hohen Mordraten in den Staedten gepraegt. Selbst jetzt raet unser Aussenministerium von Reisen ab obgleich sich die Sicherheitslage in den letzten Jahren mit dem neuen Praesidenten wesentlich verbessert hat. Mit kraeftiger Waffen- und Finanzunterstuetzung seites der USA im Kampf gegen Guerrillas und die Kokainmafia ist die Polizei- und Militaerpraesenz allgegenwaertig. Neben Stassencheckpoints und Soldaten entlang der kritischen Abschnitte der Hauptverkehrsrouten gab es auch laufend Kontrollen und Leibesvisitationen bei Zutritten zu oeffentlichen Plaetzen, Gebaeuden und Veranstaltungen. Den Security Hoehepunkt erreichte die Osterreisewoche der Kolumbianer in der wohl alles aufgeboten wurde was moeglich war um Terrorattacken oder Entfuehrungen zu vermeiden. Das Militaer patrollierte durch die Strassen Popayans und sicherte Plaetze, Huegel und saemtliche Wege in die Stadt. Das mag jetzt alles wild klingen, vermittelte aber genauso ein Sicherheitsgefuehl. Ich empfand Kolumbien nicht mehr oder weniger sicher als die meisten anderen Laender bisher.

So - aber nun zum Wesentlichen: Land und Leuten, und da bietet Kolumbien alles was man sich nur wuenschen kann. Landschaftlich ist Kolumbien in gruener, fruchtbarer Teppich, im Suedosten zum Amazonas hin und der Pazifikkuestenstreifen ist Regenwald, der Norden ist flach und heiss mit schoenen Karibikstraenden. Das Herz Kolumbiens sind aber die klimatisch angenehmeren Bergregionen der Anden, die sich in drei Gebirgszuege mit Taelern und Hochebenen dazwischen spreizen und somit diverseste Klimazonen entsprechend Hoehe und Wettereinfluss hervorbringen. Die Landschaft ist stark kultiviert, in den niedrigen Zonen gibt es vor allem Reis, Baumwolle, Tabak, Kakao, Obst, Gemuese und Rinderweideflaechen, in mittleren Hoehen reift Kolumbiens beruehmter Cafe durchzogen wiederum mit schattenspendenden Bananenpalmen und vielen Zuckerrohrplantagen weiter oben oder in kuehleren und naesseren Gegenden Kartoffeln, Mais und Geteide. Darueber befindet sich das Paramo, eine dornigen Gras-Buschlandschaft mit Kakteen. Koka habe ich nur in der raffinierten Form zu Gesicht bekommen. Durch die fast gleichbleiben Temperaturen das ganze Jahr ueber sind je nach Kultivo 2-4 Ernten moeglich. Bei den ueblichen haarstraeubenden Vollgasbusfahren mit abrupten Bremsmanoefern von der Ueberholspur bei nahendem Gegenverkehr oder an den rechten Fahrbahnrand um weitere Passagiere zuzuladen, schlaengelt man sich durch die Huegel innerhalb kuerzester Zeit von einem Landschaftsbild zum anderen.

Trotz all den landschaftlichen Reizen , das Highlight sind die Kolumbianer selbst. Ein gastfreundliches, gemuetliches Volk, stets hilfsbereit und warmherzig, es dauert nicht lange bis man an einem Tisch sitzt und ein Stamperchen Aguardiente ( Anisschnaps ) oder Rum nach dem anderen ueberreicht bekommt. In der Zona Cafetera ist immer ein Cafe parat und die Leute sind noch um einiges netter als an der Karibikkueste, wo es vom Hochland her gar nicht gewohnt sehr viele laestige Strassenverkaeufer gibt.
Die Menschen sind ein kunterbunter Mix aus allem was sich aus weissen Europaern, Indios und den ehemaligen Sklaven aus Westafrika ueber die Jahrhunderte zusammengebraut hat. Soweit ich die feminine Seite beurteilen kann hat es sehr Erfreuliches hervorgebracht, das sich auch mit dementsprechend reizvollem Outfit zu praesentieren versteht.

Kolumbien besticht durch koloniale Pracht. Cartagena, einst Spaniens wichtigste, bestbefestigste aber auch meistgepruefteste Ueberseehafenstadt ist definitiv die schoenste koloniale Altstadt, die ich bisher auf meiner Reise durch Lateinamerika zu Gesicht bekam. Die bunt bemalten Haeuser mit den typischen Balkonen, Fenstergittern und den lieblichen, ruhespendenden Innenhoefen fand ich aber fast in allen meinen Stops im Land - Barichara, Bogotas Altstadt und Salento waren einige Gustostueckchen waehrend in Popayan, Mompos , Villa de Leyva und Giron die Farbe weiss mit braunen oder schwarzen Tueren und Fenstern bestimmte. Die touristische Infrastruktur ist gut ausgebaut denn die Kolumbianer reisen gerne , jedoch konzentriert sich dies auf einige wenige Wochen. Auslaendische Touristen sind angenehm rar.

Von der 8 Millionen Metropole Bogota auf einer Hochebene von 2600m startete ich zuerst zu einer Runde nach Sueden. Die San Agustin Kultur nahe dem gleichnamigen Dorf und seinen uns erhaltenen netten Steinfiguren zaehlt zu den aeltesten bekannten archeologischen Ueberbleibseln in Amerika. Auch die nahegelegene Tierradentro Kultur, die bemalte, unterirdische Grabkammern anfertigte, bescherte mir nach all den besichtigten Ruinen eine aeusserst interessante Abwechslung. In der Karwoche erreichte ich Popayan, wo in taeglichen, stundendauernden Nachtprozessionen schwere Stationen durch die
Strassen geschleppt wurden. In Silvia gabs wieder einmal einen bunten Indiomarkt, wo auch die Maenner Roecke trugen gleich wie in der Guajira Provinz im auessersten Nordostzipfel. Dort trugen die Indios weite, bunte Gewaender und errinnerten mich mit den dunklen Gesichtern und Kopfbedeckungen eher an Bilder aus Afrika. Cali bot reihenweise Salsaschuppen und Nightlife, San Cipriano ein kleines abgelegenes Dorf voller Schwarzer nahe Buenaventura, das nur entlang der Eisenbahnschienen mittels selbstgefertigter, hoelzerner Schlitten mit aufgeschnalltem Moped als Antrieb zu erreichen ist. Salento war dann ein Erholungsstop in der Zona Cafetera nahe Armenia mit den beruehmten Waxpalmen.
Dort machte ich meinen einzigen Versuch in einer mehrtaegigen Wanderung in die staendig wolkenverhangenen hoeheren Bergregionen und den schneebedeckten Gipfeln vorzudringen und traf prompt auf die Armee, die zu einer "routinemaessigen Saeberungsaktion" in die Berge aufbrache und uns riet wieder umzudrehen. So sassen wir halt mit den Einheimischen auf den Baenkchen vor den Haeusern und beobachteten das Treiben auf den Gassen unter anderem auch, wie ich es immer wieder in den kleineren Orten erlebte, Reiter natuerlich mit Hut und traditionellem Gewand auf dem Pferd durch die Strassen trabben. Einspaenner praegten das Strassenbild auch in groesseren Staedten.

Zurueck in Bogota begann die Reise nach Norden, ueber Zipaquira mit einer riesigen Salzkathedrale, die in stillgelegten, unterirdischen Salzabbaukammern mit schoenen Lichteffekten aufwartet, durch andere nette Kolonialstaedtchen begann mit sinkenden Hoehen das grosse Schwitzen. Im Norden neben Santa Marta thront die Sierra Nevada Santa Marta, die aufgrund der haengenbleibenden Wolken im Gegensatz zum kargeren Gebiet oestlich und westlich davon mit Regenwald aufwartet. Die Straende sind von Urwald umgeben, der Himmel ist meist bewoelkt und die Hitze mit hoher Luftfeuchtigkeit. Schlafen in Haengematten am Strand und dringen neben abkuehlendem Karibikbaden durch den Dschungel zu einigen Ruinen eines ehemaligen Indianervolkes vor. Auch heute leben noch viele Indios in dieser Gegend und vermittelte ein wenig ein Gefuehl, wie es bei der Ankunft der Spanier ausgesehen haben koennte.

In einem Abstecher zum aeussersten, trockenen Nordostzipfel mit klarem Himmel und brennender Sonne, dafuer auch die gewohnten tuerkisgruenen Karibikfarben, landeten wir rechtzeitig zum Vallenato Festival in Valledupar. Vallenato entstand in dieser Region als die Kolumbianer mit Akkordeons, die irgendwie ihren Weg aus unseren Sphaeren dorthin fanden, zu experimentieren begannen und untermauert mit Trommeln, Reiben und den ueblichen romantischen Gesangsthemen mich durch ganz Kolumbien begleiteten. Waehrend das Festival Vallenato pur war und die Massen bis zum Sonnenaufgang auf Trab hielt, ist in den Discos vorwiegend ein Crossover aus Vallenato, Salsa, Reagaeton, Perreo, Rock und einigen aktuellen elektronischen Songs angesagt. Leider fuellten sich Discos nur Samstags ausreichend und nach Argentiniens Openends war eine Sperrstunde zwischen 2-3 Uhr schon ziemlich frueh.

Ich hoffe, dass ich das Wichtigste untergebracht habe, die Route selbst ist bei geschicktem Verbinden der im Bericht enthaltenen Namen sicherlich ausfindig zu machen. Nun gehts weiter ueber Cucuta Richtung Venezuela.

Liebe Gruesse an alle aus Bucaramanga, Kolumbien

Guggi