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Wieder eine Grenze, wieder einmal eine neue Welt. Von der ruhigen Nebensaison in Bolivien mit ruhigen Abenden an denen ich an so manchen Orten verzweifelt zwischen meiner Bergeinsamkeit etwas Highlife suchte, gelang ich mit einem einfachen Grenzuebertritt auf einmal mitten in die Sommerhochsaison. Selbst die kleinen Orte im Norden Argentiniens, dem einzigen Teil wo nennenswerte Bevoelkerungsschichten indigenen Ursprungs erhalten blieben, sind waehrend der Haupturlaubsmonate Jaenner und Februar gepackt mit jungen, einheimischen Rucksacktouristen - vorwiegend von der Hauptstadt Buenos Aires. Da ich nun wieder auf die Kosten achtend auf die hier guenstigern Schlafsaele zurueckgreifen musste, lernte ich sofort Massen von neuen Leuten kennen und es gab auf einmal mehr Party als mir lieb war. Ruhige Naechte gibts dabei nicht und der Lifestile ist sehr kontraer. Abendessen geht man zwischen 22 Uhr und Mitternacht, danach fuellen sich erst langsam die Bars waehrend die Discos erst zwischen 3 und 4 Uhr interessant werden. Bei diesem Lebenswandel wurde jede Tagesaktivitaet oder ein Morgenbus zur Ungewissheit. Das Essen hat sich auf einen Schlag drastisch verbessert. Jetzt gibt es wieder ueberall Abwechslung wie von zuhause gewohnt. Pasta, Pizza, Eiscremen, Schokoladen, Gebaeck und Torten, oh was man auf einmal aus Kartoffeln wieder alles machen kann, Gerichte mit Kaese, Speck und leckeren Soucen und natuerlich die wohl weltbesten Steaks. Was hier fleischmaessig abgeht, das hab ich noch nie gesehen. Grad dass sie nicht ganze Rinderhaelften auf die riesigen Grills werfen, die sich mitten in den Restaurants befinden.

Interessant finde ich auch die "Mate Kultur". Man sieht die Leute mit einem hoelzernes Trinkgefaess und einem metallenem Trinkhalm an dessen Ende sich ein Sieb gefindet. Das Gefaess wird dann mit einer Mate-Tee Mischung gefuellt und mit dem heissen Wasser aus der mitgetragenen Thermoskanne aufgegossen und in der Runde herumgereicht. Somit ist Mate nicht nur ein gesunder Kaffeeersatz sondern auch ein wesentlicher, gesellschaftlicher Bestandteil.

Ueberall findet man Touristeninformationen, man bekommt Stadtplaene und Wanderkarten, man reist in grossen, komfortablen Reisebussen und man sieht fast ausschliesslich Gesichter europaeischen Ursprungs, westliche Kleidung und Lebenstil. Viele haben wieder eigene Autos um damit in den Urlaub zu fahren und Geld um sich was leisten zu koennen.

Alles ist wieder merklich sauberer und besser instandgesetzt, nette, verputzte Haeuser mit ordentlichen Daechern anstatt den grauen oder dunkelbraunen Quadern mit den hochstehenden Stahltraegern fuer den naechsten Stock, den es vielleicht einmal geben sollte.

Bedingt durch die Hochsaison war es jedoch manchmal gar nicht so leicht einen Bus zu bekommen, etwas was es in den anderen Laendern nie gab - es gab immer irgendwo einen Platz, und Vorbuchen entsprach nicht gerade meinem bisherigen Spontanreisestil. Die bunten, zentralen Maerkte mit billigen Essensstaenden vermisse ich schon und wo sind die ganzen Strassenverkaeufer auf einmal geblieben - stattdessen gibts Supermaerkte, Kinokomplexe, Fastfoodbuden Feinkostlaeden und richtig feine Restaurants und Hotels. Auf einmal fuehle ich mich nicht mehr wie in Suedamerika - eher wie ein Rucksackreisender durch Europas Haupturlaubszeit.

Je weiter man nach Sueden kommt, umso mehr steigen die Preise - eine Tatsache die mir zusammen mit touristenueberfuellten Orten und meiner erstmals seit Beginn meiner Reise komplett veraenderten Reise- und Lebensumstaenden nicht immer gluecklich stimmte. Umso wichtiger war fuer mich immer wieder raus in die Natur zu kommen um ein wenig Abstand und Ruhe zu haben. So unternahm ich einmal mehr zahlreiche Tagesausfluege und mehrtaegige Wanderungen mit Zelt & Co. Nach den letzten 2 Berichten verschone ich euch ausnahmsweise damit und packe es in den naechsten ueber diese Region.

Wie es sich fuer mich schon seit Mitte November abzeichnet, werde ich meinen urspruenglich geplanter Rueckflug bis Ende Februar unmoeglich schaffen. Nach laengeren Ueberlegungen habe ich daher meinen Rueckflug auf Ende Juni verschoben, Zeit genug um noch das eine oder andere Land hier bereisen, erleben und darueber berichten zu koennen.

Liebe Gruesse an alle aus Puerto Natales, Chile

Guggi