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Veröffentlicht: 06. März 2005
Wieder eine Grenze, wieder einmal eine neue
Welt. Von der ruhigen Nebensaison in Bolivien mit ruhigen Abenden an denen ich an so manchen Orten
verzweifelt
zwischen
meiner Bergeinsamkeit etwas Highlife suchte, gelang ich mit einem einfachen
Grenzuebertritt auf einmal
mitten in die
Sommerhochsaison. Selbst die kleinen Orte im Norden Argentiniens,
dem einzigen Teil wo nennenswerte
Bevoelkerungsschichten
indigenen Ursprungs erhalten blieben, sind waehrend
der Haupturlaubsmonate Jaenner und Februar
gepackt mit jungen,
einheimischen Rucksacktouristen - vorwiegend
von der Hauptstadt Buenos Aires. Da ich nun wieder
auf die Kosten achtend auf
die hier guenstigern
Schlafsaele zurueckgreifen musste, lernte ich sofort Massen von neuen
Leuten kennen und es gab auf
einmal
mehr Party als mir lieb war. Ruhige Naechte gibts dabei nicht und der Lifestile
ist sehr kontraer. Abendessen geht
man
zwischen 22 Uhr und Mitternacht, danach fuellen sich erst langsam die Bars
waehrend die Discos erst
zwischen 3 und 4 Uhr
interessant werden. Bei diesem Lebenswandel wurde jede Tagesaktivitaet
oder ein
Morgenbus zur Ungewissheit. Das Essen hat
sich auf einen Schlag drastisch verbessert. Jetzt gibt es wieder
ueberall Abwechslung wie von zuhause gewohnt. Pasta, Pizza,
Eiscremen, Schokoladen, Gebaeck und Torten, oh
was man
auf einmal aus Kartoffeln wieder alles machen kann, Gerichte mit
Kaese, Speck und leckeren Soucen und
natuerlich die
wohl weltbesten Steaks. Was hier fleischmaessig abgeht, das hab ich noch
nie gesehen. Grad
dass sie nicht ganze
Rinderhaelften auf die riesigen Grills werfen, die sich mitten in den Restaurants
befinden.
Interessant finde ich auch die "Mate Kultur". Man sieht die Leute mit
einem hoelzernes
Trinkgefaess
und einem metallenem Trinkhalm an dessen Ende sich ein Sieb gefindet. Das
Gefaess wird dann mit einer Mate-Tee
Mischung gefuellt und mit dem heissen Wasser aus der mitgetragenen
Thermoskanne aufgegossen und in der Runde
herumgereicht.
Somit ist Mate nicht nur ein gesunder Kaffeeersatz
sondern auch ein wesentlicher, gesellschaftlicher
Bestandteil.
Ueberall findet man
Touristeninformationen, man bekommt Stadtplaene und Wanderkarten,
man reist in grossen,
komfortablen
Reisebussen und man sieht fast ausschliesslich Gesichter europaeischen Ursprungs,
westliche Kleidung und
Lebenstil. Viele haben wieder eigene Autos um damit in den Urlaub zu fahren und Geld um sich
was leisten zu
koennen.
Alles ist wieder merklich sauberer und besser instandgesetzt, nette,
verputzte
Haeuser mit ordentlichen
Daechern anstatt den grauen oder dunkelbraunen Quadern mit den hochstehenden
Stahltraegern fuer den naechsten Stock, den es
vielleicht einmal geben sollte.
Bedingt durch
die
Hochsaison war es jedoch manchmal gar nicht so leicht
einen Bus zu bekommen, etwas was es in den anderen
Laendern nie
gab - es gab immer irgendwo einen Platz, und Vorbuchen
entsprach nicht gerade meinem bisherigen
Spontanreisestil. Die
bunten, zentralen Maerkte mit billigen Essensstaenden vermisse
ich schon und wo sind
die ganzen Strassenverkaeufer
auf einmal geblieben - stattdessen gibts Supermaerkte, Kinokomplexe,
Fastfoodbuden Feinkostlaeden und richtig feine
Restaurants und Hotels. Auf einmal fuehle ich mich nicht mehr
wie in
Suedamerika - eher wie ein Rucksackreisender
durch Europas Haupturlaubszeit.
Je
weiter man nach Sueden
kommt, umso mehr steigen die Preise - eine
Tatsache die mir zusammen mit
touristenueberfuellten Orten und meiner erstmals
seit Beginn meiner Reise komplett
veraenderten Reise- und
Lebensumstaenden nicht immer gluecklich stimmte. Umso wichtiger war
fuer mich immer wieder
raus in die Natur
zu kommen um ein wenig Abstand und Ruhe zu haben. So unternahm ich einmal mehr
zahlreiche
Tagesausfluege und
mehrtaegige Wanderungen mit Zelt & Co. Nach den letzten 2 Berichten verschone ich euch
ausnahmsweise
damit und packe es in den naechsten ueber diese Region.
Wie es sich fuer mich schon
seit Mitte
November abzeichnet, werde ich meinen urspruenglich geplanter Rueckflug bis Ende Februar unmoeglich
schaffen.
Nach laengeren
Ueberlegungen habe ich daher meinen Rueckflug auf Ende Juni verschoben, Zeit genug um noch
das
eine oder andere Land hier
bereisen, erleben und darueber berichten zu koennen.
Liebe Gruesse an
alle aus Puerto Natales, Chile
Guggi