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Hallo miteinander,

Wer sich diesmal einen Reisebericht ueber die Inkas, Machu Pichu und andere beruehmte Ruinen, ausserirdisch wirkende Nasca Linien oder sonstige Ueberbleibsel von prekolumbianischen Voelkern erwartet, den muss ich leider enttaeuschen. Das wichtigste hatte ich bereits bei meinem letzten Peruaufenthalt vor 2 Jahren in touristischer Manier abhakt. Somit konnte ich mich diesmal auf das konzentrieren, was damals, aber auch grad in Equador fuer mich zu kurz kam: Wandern in den Anden.

Nachdem ich von Equador kommend die Wueste, die sich ueber ganz Peru und Nordchile entlang der Pazifikkueste hinunterzieht, im Eiltempo passiert hatte, gab es fuer mein Vorhaben nichts naheliegenderes als mein "Basecamp" in Huaraz, dem Bergsteigermekka Perus, aufzuschlagen und von dort aus meine Vorstoesse in die Anden anzutreten. Mit Zelt, Kochzeug und reichlich Essensvorraeten bepackt gings dann jeweils mehrere Tage dahin, manchmal durch enge, steinige V-Taeler, oefters durch breite, langgezogene, gruene Weidetaeler mit Llamas, Alpacas, Schafen, Kuehen, Eseln und Pferden und einzelnen, einfachen Steinbehausungen mit Strohdaechern. Man passiert unzaehligen Lagunen in dessen klarem, blauem Wasser sich die leuchtendweissen, kantigen Bergspitzen wiederspiegeln mit ihren Gletschern, von denen immer wieder Lawinen losbrechen und in die Gletscherseen donnern. Ein Paradies fuer jeden Bergbegeisterten und unglaubliche Landschaften , die mich trotz meines schweren Rucksacks vor lauter Freude wie eine Gams durch die Berge flitzen liess.

Die wenigen Leute, die man hier trifft, leben von dem, was das Land in dieser Hoehe noch hergibt - Fleisch und Kartoffeln. Die Kleidung wird aus der Alpaca- oder Schafwolle hergestellt und man sieht die Frauen immer am Wolle spinnen, waehrend sie auf ihre Herden aufpassen. Das einzige, was sie normalerweise durch Fleisch- oder Handarbeitsverkaeufe in den Maerkten im Tal zukaufen ist Salz, Oel, Zucker und Reis. Die Feldarbeit erfolgt in Kooperationen, d.h man hilft zusammen auf einem Feld, man ist dadurch schneller und es macht auch mehr Spass. Die Kleidung war wieder mal farbenfroh wie gewohnt und aenderte sich von Region zu Region.

Zwischen meinen laengeren Wanderungen um Huaraz in der Cordillera Blanca und Cordillera Huayhuash und nahe Cusco in der Cordillera Vilacanota reiste ich von Huaraz durch die Berge ueber LaUnion, Huanuco, Cerro del Pasco, Lago de Junin, Tarma, Huancayo, Huancavelica, Ayacucho, Andahuaylas nach Cusco und traf dabei in 2 Wochen nur 1 Touristin. Die Fahrten fuehrten meist ueber lange, zaehe, kurvige Schotterpisten mal hoch oben am Bergkamm mit atemberaubenden Blicken in die Talfurchen oder sogar hinunter auf die Wolken , mal mehrere Stunden hinunter in ein Quertal um auf der anderen Seite wieder muehsam hinaufzukriechen. So kam es vor dass man nach 4h Fahrt nur ca. 20km Luftlinie zurueckgelegt hatte. Dazwischen unternahm ich immer wieder Tagesausfluege in die Umgebung und traf dabei jede Menge Leute, mit denen ich mich unterhielt und somit einiges ueber ihr Leben und ihre Probleme und Sorgen erfahren konnte.

Erst einmal ins Gespraech gekommen, war die Fremdenscheu ueberwunden und die Fragen purzelten zu Duzenden auf mich ein waehrend man den einen oder anderen Zuckerrohrschnaps runterstuelpte oder Maismost und Kaese verkostete. Jeder Ausflug war ein Abenteuer an sich, es war immer spannend was sich denn dieses Mal ereignen wird.

Mit Cusco hatten mich kurz die Touristenmassen wieder, und in einer Disco zu Westmusik abtanzen bis die Sonne aufgeht war dann der krasse Gegensatz zu einsamen Zeltnaechten, wo man sich nach dem Sonnenuntergang im Schlafsack verkroch und eine geeignete Schlafposition auf dem harten Untergrund zu finden versuchte.

Alles in allem erlebte ich ein Peru wie ich es mir nur wuenschen konnte, vom Wetterglueck in den Bergen bis hin zum wahren Peru mit Menschen, fuer die ein Tourist noch keine Alltaeglichkeit ist - auf jeden Fall ein anderes Peru, wie ich es vom letzten Mal kannte.

Inzwischen habe ich es mit einiger Verspaetung nach Bolivien geschafft, von wo aus ich von einem fuer mich unbeschreiblich schoenen Jahr ins naechste rutschen werde. In diesem Sinn allen ein schoenes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Liebe Gruesse aus Copacabana am Lago Titikaka, Bolivien

Guggi

Bilder: Image