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Veröffentlicht: 06. März 2005
Hallo miteinander,
Wer sich diesmal einen
Reisebericht ueber die Inkas, Machu Pichu und andere beruehmte Ruinen, ausserirdisch wirkende Nasca Linien
oder
sonstige
Ueberbleibsel von prekolumbianischen Voelkern erwartet, den muss ich leider enttaeuschen. Das
wichtigste
hatte ich bereits
bei meinem letzten Peruaufenthalt vor 2 Jahren in touristischer Manier abhakt.
Somit konnte ich
mich diesmal auf das
konzentrieren, was damals, aber auch grad in Equador fuer mich zu kurz
kam: Wandern in den
Anden.
Nachdem
ich von Equador kommend die Wueste, die sich ueber ganz
Peru und Nordchile entlang
der Pazifikkueste hinunterzieht, im
Eiltempo passiert hatte, gab es fuer mein
Vorhaben nichts naheliegenderes als
mein "Basecamp" in Huaraz, dem
Bergsteigermekka Perus,
aufzuschlagen und von dort aus meine Vorstoesse in
die Anden anzutreten. Mit Zelt, Kochzeug und
reichlich
Essensvorraeten bepackt gings dann jeweils mehrere Tage dahin,
manchmal durch enge, steinige V-Taeler, oefters
durch breite, langgezogene, gruene Weidetaeler mit Llamas, Alpacas,
Schafen, Kuehen, Eseln und Pferden und
einzelnen,
einfachen Steinbehausungen mit Strohdaechern. Man passiert
unzaehligen Lagunen in dessen klarem,
blauem Wasser sich die
leuchtendweissen, kantigen Bergspitzen wiederspiegeln
mit ihren Gletschern, von denen
immer wieder Lawinen losbrechen und in
die Gletscherseen donnern. Ein Paradies fuer
jeden Bergbegeisterten
und unglaubliche Landschaften , die mich trotz meines
schweren Rucksacks vor lauter Freude wie
eine Gams
durch die Berge flitzen liess.
Die wenigen Leute, die man
hier trifft, leben von dem, was
das Land in dieser Hoehe noch hergibt - Fleisch und Kartoffeln. Die Kleidung wird aus der
Alpaca- oder
Schafwolle
hergestellt und man sieht die Frauen immer am Wolle spinnen, waehrend sie auf ihre Herden aufpassen.
Das einzige, was
sie normalerweise durch Fleisch- oder Handarbeitsverkaeufe in den Maerkten im Tal zukaufen
ist Salz, Oel,
Zucker und
Reis. Die Feldarbeit erfolgt in Kooperationen, d.h man hilft zusammen auf einem
Feld, man ist dadurch schneller
und
es macht auch mehr Spass. Die Kleidung war wieder mal farbenfroh wie
gewohnt und aenderte sich von Region zu Region.
Zwischen meinen laengeren Wanderungen um
Huaraz in der Cordillera Blanca und Cordillera Huayhuash
und nahe
Cusco in der Cordillera Vilacanota reiste
ich von Huaraz durch die Berge ueber LaUnion, Huanuco, Cerro del
Pasco, Lago de
Junin, Tarma, Huancayo,
Huancavelica, Ayacucho, Andahuaylas nach Cusco und traf dabei in 2 Wochen nur
1 Touristin. Die
Fahrten
fuehrten meist ueber lange, zaehe, kurvige Schotterpisten mal hoch oben am Bergkamm mit
atemberaubenden Blicken in
die Talfurchen oder sogar hinunter auf die Wolken , mal mehrere Stunden hinunter in ein
Quertal um auf der
anderen Seite
wieder muehsam hinaufzukriechen. So kam es vor dass man nach 4h Fahrt nur ca. 20km
Luftlinie
zurueckgelegt hatte. Dazwischen
unternahm ich immer wieder Tagesausfluege in die Umgebung und traf dabei
jede
Menge Leute, mit denen ich mich unterhielt und
somit einiges ueber ihr Leben und ihre Probleme und Sorgen
erfahren konnte.
Erst einmal ins Gespraech
gekommen, war die Fremdenscheu ueberwunden und
die Fragen
purzelten zu Duzenden auf mich ein waehrend man den einen oder
anderen Zuckerrohrschnaps
runterstuelpte oder Maismost
und Kaese verkostete. Jeder Ausflug war ein Abenteuer an sich, es war
immer
spannend was sich denn dieses Mal
ereignen wird.
Mit Cusco hatten mich kurz die Touristenmassen
wieder, und in einer Disco zu
Westmusik abtanzen bis die Sonne aufgeht war dann der krasse Gegensatz zu
einsamen
Zeltnaechten, wo man sich nach dem
Sonnenuntergang im Schlafsack verkroch und eine geeignete
Schlafposition auf dem harten
Untergrund zu finden
versuchte.
Alles in allem erlebte ich ein
Peru wie ich es mir nur wuenschen konnte, vom
Wetterglueck
in den Bergen bis hin zum wahren Peru mit
Menschen, fuer die ein Tourist noch keine Alltaeglichkeit ist - auf
jeden
Fall ein anderes Peru, wie ich es
vom letzten Mal kannte.
Inzwischen habe ich es mit einiger
Verspaetung nach Bolivien
geschafft, von wo aus ich von einem fuer mich unbeschreiblich schoenen Jahr ins naechste
rutschen
werde. In
diesem Sinn allen ein schoenes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
Liebe Gruesse
aus Copacabana am Lago Titikaka, Bolivien
Guggi
Bilder:
