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Hallo miteinander,

von Palenque in Mexiko sind wir weiter in Richtung der Bonampak Ruinen an der Grenze zu Guatemala, wo wir nach einer halbstuendigen Bootsfahrt flussaufwaerts auf dem Rio Usumacinta auf der anderen Seite des Ufers anlegten. Nachdem alle Touristen kollektiv mit Einreisestempelschmiergeld abgezockt wurden, gings landeinwaerts ueber Schotterpisten entlang Rinder- und Pferdeweideflaechen, denen die komplexe Fauna und Flora des Regenwaldes Platz leider machen musste. Man sieht Ranches der Grossgrundbesitzer mit schoenen Haeuseren und Gaerten, waehrend sich die armseligen Holzbaracken der restlichen Bevoelkerung in kleinen Strassendoerfern gruppieren. Nach einigen Stunden erreichen wir Flores, eine nette kleine Insel im See Peten Itza, welche einen besseren Aufenthaltsort bietet als das schmutzige Gegenueber Santa Elena. In der Naehe befinden sich die Maya Ruinen von Tikal. Wie selbst gerade auf Entdeckungsreise erreicht man diese zu Fuss durch den Dschungel mit lautem Geschrei von Papageien, Tukanen, Affen und sonstigem Getier. Und ploetzlich tuermen sich die Tempel vor dir empor, manche bereits ausgegraben und restauriert, andere immer noch von Pflanzen ueberwuchert. Von den Pyramiden, die man besteigen kann, hat man hervorragende Aussichten ueber den dichten Regenwald. Mit diesem Ambiente aus Natur und Mystik auf jeden Fall die eindruckvollste Ruinenanlage bisher.

So aber jetzt endlich zu Belize. Mal ehrlich - wer von euch wusste dass es dieses Land gibt, wo es ist und was fuer Leute dort leben. Einst durch die vorgelagerten Inseln und Riffe ein geeignetes Versteck fuer englische und schottische Piraten gleicht Belize heutzutage vor allem durch die Einwanderung Schwarzer waehrend der britischen Kolonialzeit mehr einem US-amerikanischen Suedstaatenghetto. Wenn dich Schwarze mit Rastafrisur und tiefem Ami-Slang anquatschen, ueberall Reggae, Rap und Gospels ertoenen und alles Englisch redet, kommt man sich auf einmal gar nicht mehr wie in Mittelamerika vor. Mit einem Schnellboot erreichen wir von Belize City aus Caye Caulker, einer ca 1000m x 600m Insel in der Karibik, wo wir uns an weissen Straenden unter ins tuerkisgruene Meer schraeg hinauswachsenden Palmen erholen. Wer schon einmal hier ist, darf sich auch die nterwasserwelt nicht entgehen lassen aber auch nicht das beruehmte Blue Hole, ein 100m tiefes Loch von 300m Durchmesser mitten im Lighthouse Reef ,das uebrigens das zweitgroesste Riff der Welt sein soll. Zwischen 30m und 40m Tiefe kann man zwischen Stalaktiten hindurchtauchen und bekommt jede Menge Haie zu Gesicht. Noch atemberaubender kamen mir die beiden weiteren Tauchgaenge vor mit der ganzen farbigen Korallen- und Fischpracht eingebettet im tiefen Meeresblau mit zahlreichen Canyons, durch die man hindurch konnte. Als wir abends wieder mal BBQ-Huehnchen bei einer korpulenten Schwarzen assen, die wohl alle als "Mama Afrika" bezeichneten, begann auch noch mit Gospelmusik untermauert ein Prediger auf der Strasse allen lautstark einzublaeuen: "Pray to Lord Jesus , he takes away your sins, .. ". Wir haben uns mit grossen Augen angeschaut und die Stirn gerunzelt.

Nach ein paar Tagen Karibikinsel hatten wir genug vom "Ami-Flair" und fuhren mit dem Bus suedlich nach Punto Gorda, wieder mal begleitet von Gospelmusik, zu der mache auch noch mitsangen. Gut dass sie nicht wieder Bob Marley gespielt haben, ich konnte die Lieder schon nicht mehr hoeren. Je weiter wir nach Sueden kamen, desto schlechter wurden die Strassen und desto mehr kam man sich wie am Ende der Welt vor. Ich verstehe ja dass viele Geschaefte am Sonntag geschlossen haben, aber dass ausser einem Sandler weit und breit die Strassen leergefegt waren, bei der Zimmersuche die Leute geweckt werden mussten oder gar nicht zu finden waren oder dass man einer Taube sogar einen Tritt geben konnte , bevor sie sich bewegte und davonflog , zeugte wirklich von einem verschlafenen Nest. Dass die Turmuhr auf dem kleinen Hauptplatz nicht funktionierte , versteht sich eigentlich von selbst. Somit konnte unser Ziel eigentlich nur heissen mit dem naechstmoeglichen Boot am kommenden Tag zurueck nach Guatemala zu gelangen, wo wir uns derzeit immer noch aufhalten.

Liebe Gruesse an alle aus Nebaj im Hochland Guatemalas

Guggi