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Veröffentlicht: 02. Juni 2005
Hallo miteinander,
Dass Venezuela
reichlich Oel hat und dies sogar noch subventioniert zum Spottpreis an die einheimische Bevoelkerung
verschaerbelt
wird,
spiegelt sich sofort an der Grenze im Strassenbild wieder. Massenhaft alte, halb
auseinanderfallende, durstige
us-amerikanische Karrossen gemaess 70-80er Hollywoodfilmen gurgeln durch die
Strassen oder stehen an den Tankstellen
Schlange
um in ausgebauten Tanks den Sprit ueber die Grenzen zu
schmuggeln. 50l und mehr pro 100km spielen bei einem
laecherlichen
Preis von 2,5 Eurocent pro Liter - ja ich
habe mich nicht verschaut oder verrechnet - sowieso keine
Rolle. Diesel ist
nochmals 20% billiger. Wasser
oder Limo ist somit 10x teurer! Fuer mich bedeutete dies
angenehmerweise wieder geringere
Transportkosten im
Gegensatz zu den Nachbarlaendern Kolumbien und Brasilien.
Nachdem ich etliche, laestige
Polizeicheckpoints ueberraschenderweise ohne die von anderen erwaehnten, langwierigen
Gepaecksdurchsuchungen
ungescholten
ueberstanden hatte - vielleicht waeren Drogenspuerhunde ein hilfreicher Tip,
erreichte ich mein
erstes Ziel: Merida, dem
Outdoor-Aktivitaeten Zentrum in Venezuelas Andenauslaeufer. Da die
hoechste Seilbahn
der Welt ( von 1500m hoch zum Pico
Espejo auf ca. 4765m ) wegen Wartungsarbeiten ausser Betrieb war
und die
Gipfel eigentlich nur in den fruehen Morgenstunden
sichtbar waren, liebaeugelte ich mit dem restlichen
Angebot abseits von Gipfelstuermen. Ich gab mir somit mal den
Canyoning-Kick - ihr wisst schon, das ist die
Laengsdurchquerung eines Flussverlaufes mit Abseilen ueber Wasserfaelle und
Mutprobenspruenge zwischen die
Felswaende
ins weiss schaeumende Wasser - und einen mehrtaegigen Ausflug ueber die Berge
hinunter ins weite
Flachland nahe
Mantecal mit reichen Tierbestaenden entlang der Fluesse und Sumpflandschaften.
Neben
massenhaft Voegeln,
Krokodilen, Schildkroeten und Cabivaras sahen wir auch 2 Anacondas und einen Ameisenbaer
- weiters war
Piranha
fischen, ein Rafting Stopp auf dem langem Anreiseweg und ein Reitausflug Teil des
Tourprogramms. Auf letzteres haette
ich jedoch nach meiner ersten schmerzhaften Reiterfahrung in Kolumbien
gerne verzichten koennen. Da ich mir aber
keine
Bloesse geben wollte, kletterte ich halt wieder auf so einen
Gaul, der mit einem Unerfahrenen wie mir ohnehin
macht was er
will. Im Schritt hatte ich noch das Gefuehl
alles im Griff zu haben und meinte das Lenken und Bremsen zu
verstehen. Schaltet
dieses Tier aber einen Gang
hoeher in den Trab rutschte ich natuerlich wieder aus den zu schmalen
Steigbuegeln und mein
wertes Hinterteil
klatschte im Sekundenrhythmus auf den harten Sattel. Der Galopp ist zwar
weniger schmerzhaft jedoch ohne
Steigbuegelhalt versuchte ich mich irgendwie im Sattel zu halten und muss eher ein
Bild eines Rodeoreiters
abgegeben haben,
der - und darauf kann ich wenigsten stolz sein - nicht abgeworfen wurde.
Bleibt noch zu
erwaehnen dass es dort unten nur so
von Insekten wimmelte und in den Naechten trotz Mueckennetzverbau
das
grosse Krabbeln angesagt war. Dafuer herrschte
regelrechte "Technopartystimmung" mit den verschiedenen
Kroetenarten als Base, Voegeln und Grillen als
Melodietraegern und ein Meer von blinkenden Leuchtkaefern
unterstuetzt
durch ein Gewitter im Hintergrund war fuer die
Lichteffekte zustaendig. Zurueck in Merida,
nochmals die Kuehle
geniessend, fuhr ich weiter nach Maracay, von wo ich in zwei
kurvigen Stunden und
ohrenbetaeubender Salsamusik ueber
einen Regenwald-bewachsenen Bergruecken das Fischerdorf Puerto
Colombia
erreichte und mir wenigstens fuer ein paar
Tage einen von Venezuelas Traumstraenden goennte. Wieder mal
kristallklares Wasser, Palmen & Co, schlagt einfach
den Karibikteil des Reisekatalogs auf. Waehrend ich
den schuetzenden
Palmenschatten vorzog, bruzelten zwei
schwaebische Kurzurlauber in der prallen Sonne. An
ihrem 2. Tag begleiteten sie mich
wehleidig zurueck nach Maracay
von wo ich, wieder mit Pulli,Fleecejacke und
Kappe eingehuellt versuchend in den uebertrieben
unterkuehlten
Klimaanlagenbussen halbwegs zu schlafen, nach
Ciudad Bolivar weiterreiste. Von dort kann man per 6-Plaetzer
Cessna
nach Canaima fliegen, wo der Rio Carrao
ueber sieben nebeneinanderliegende Wasserfaelle in eine Lagune mit Palmen und
weissem Sandstrand donnert.
Einige Indios leben in diesem dank fehlender Strassenverbindung gewahrten Paradis bei dem
man
hinter 2
Wasserfaellen die Wucht miterleben und in acht Stunden flussaufwaerts ueber unzaehlige Stromschnellen
klatschnass
den hoechsten Wasserfall auf Erden bewundern kann - den Salto Angel. Zugegeben imposant wie das Wasser
von
einem diese
Landschaft praegenden Tafelberge in 979m freiem Fall herabstuerzt, leider besteht das Problem die
wahre Dimension realisieren
zu koennen. Ein wenig half mir der tolle Rueckflug nach Ciudad Bolivar auf nur
etwa 1000m
als ich mir die Wasserfallhoehe mit
einem Blick hinunter vorstellte.
Der
drueckenden Hitze von Ciudad
Bolivar, wo die einzige Bruecke den Rio
Orinoco ueberquert, enteilte ich
Richtung Sueden nach Santa Elena. Die
Strasse fuehrt dabei die letzten 300km durch gruene
Gran Sabana, einer
huegeligen Graslandschaft mit einigen wenigen
Baeumen und Palmen und Tafelbergen im Hintergrund. Zur
Besteigung des knapp 2800m hohen Roraima - Tepuis landete ich,
nachdem ich keinen Partner zur
Selbstorganisation gefunden
hatte, abermals in einer Tourgruppe und endete in
Venezuela nach ueber 4 Monaten
Tourabstinez und der nachwievor bleibenden
Abneigung als regelrechter Tourjunkie. Der
Vollpensionsausflug im
gemaechlichen Jedermannszeitplan fuehrte zuerst ueber die
Savanne mit beissenden
Insektenschwaermen im
Obstfliegenformat ansteigend durch dicht bewachsenen, niedrigen Wald zum Fusse
der 400m
Senkrechtwand. Eine
Quertraverse fuehrt hoch auf das Plateau, das mit schwarzen Sandsteinformationen, Tuermen,
tiefen
Schluchten
und etwas gruener Vegetation ein surreales Ambiente bietet. Nur wenige, einzigartige Tiere leben unter den
kuehlen und staendig aenderenden Wetterbedingungen und und dort herrschenden Lebensvoraussetzungen.
Inzwischen tickt der Countdown fuer meinen Heimflug ziemlich rasant, speziell wenn ich einen Blick auf
die
Landkarte
wage und sehe was fuer unendliche Weiten noch zwischen mir und Buenos Aires liegen.
Liebe Gruesse an
alle aus Boa Vista, Brasilien
Guggi